Darja Michailowna lachte.

»Ja, ja, wie das Sprichwort sagt: vom kranken Kopf auf den Gesunden! – A propos – was halten Sie von dem Baron?«

»Vom Baron? Er ist ein vortrefflicher Mensch, mit gutem Herzen und erfahren … aber ohne Charakter … er wird sein ganzes Leben ein halber Gelehrter, halber Weltmann, d. h. Dilettant bleiben, kurz gesagt, ein – Nichts … Es ist aber schade um ihn!«

»Das ist auch meine Ansicht,« erwiderte Darja Michailowna. »Ich habe seinen Aufsatz gelesen … Entre nous … cela a assez peu de fond.«

»Wen haben Sie sonst noch in der Nähe?« fragte nach einigem Schweigen Rudin.

Darja Michailowna strich mit dem kleinen Finger die Asche von ihrer Zigarette.

»Weiter gibt es wohl niemand. Die Lipin, Alexandra Pawlowna, die Sie gestern gesehen haben: sie ist allerliebst, und weiter nichts. Ihr Bruder – ebenfalls ein vortrefflicher Mensch, un parfait honnête homme. Den Fürsten Garin kennen Sie. Das sind sie alle. Es sind da noch zwei, drei Nachbarn, die sind aber ganz und gar unbedeutend. Entweder Wichtigtuer – mit ungeheuren Prätensionen oder menschenscheues, oft am unrichtigen Platze ungeniertes Volk. Mit den Damen gehe ich nicht um, wie Sie wissen. Wir haben wohl noch einen Nachbarn, einen sehr gebildeten, sogar gelehrten Mann, aber einen schrecklichen Sonderling, einen Schwärmer. Alexandrine kennt ihn und, wie es scheint, ist er ihr nicht gleichgültig … Sie sollten ihr wirklich Aufmerksamkeit schenken, Dmitri Nikolaitsch: das ist ein liebes Wesen; sie müßte nur etwas ausgebildet werden, ja sie muß es durchaus werden.«

»Sie ist sehr anziehend,« bemerkte Rudin.

»Ein wahres Kind, Dmitri Nikolaitsch, eine wahre Unschuld. Sie ist verheiratet gewesen, mais c’est tout comme … Wäre ich ein Mann, ich würde mich nur in solche Weiber verlieben.«

»Wirklich?«