»Gewiß! Dergleichen Frauen sind zum mindesten frisch und die Frische läßt sich nicht künstlich nachahmen.«
»Alles andere aber?« fragte Rudin mit Lachen, was selten bei ihm der Fall war. Wenn er lachte, nahm sein Gesicht einen eigentümlichen, fast greisenhaften Ausdruck an, die Augen zogen sich zusammen, er rümpfte die Nase …
»Wer ist denn aber jener Sonderling, wie Sie sagen, der Frau Lipin nicht gleichgültig wäre?« fragte er.
»Ein gewisser Leschnew, Michael Michailitsch, ein Gutsbesitzer aus dieser Gegend.«
Rudin erstaunte und erhob den Kopf.
»Leschnew, Michael Michailitsch?« fragte er, »ist der denn Ihr Nachbar?«
»Ja. Sie kennen ihn also?«
Rudin schwieg.
»Ich habe ihn vormals gekannt … es ist schon lange her. Er ist reich, wie man sagt?« fügte er hinzu, indem er an den Fransen des Lehnstuhles zupfte.
»Ja, reich ist er, kleidet sich jedoch abscheulich und fährt auf einer Reitdroschke gleich einem Dorfverwalter umher. Ich habe den Versuch gemacht, ihn in mein Haus zu ziehen; er soll Verstand haben; dann stehe ich auch gewissermaßen in Geschäftsverbindung mit ihm … Sie wissen doch, daß ich mein Gut selbst verwalte?«