Rudin nickte mit dem Kopfe.
»Ja, selbst,« fuhr Darja Michailowna fort, »ich führe nichts von den fremdländischen Albernheiten bei mir ein, halte mich an dem Meinigen, dem Russischen, und Sie sehen, die Sache geht, denke ich, nicht schlecht,« setzte sie hinzu, indem sie dabei mit der Hand einen Kreis durch die Luft beschrieb.
»Ich bin immer der Überzeugung gewesen,« bemerkte Rudin verbindlich, »daß diejenigen schreiendes Unrecht begehen, die den Frauen praktischen Sinn absprechen.«
Darja Michailowna lächelte.
»Sie sind sehr nachsichtig,« sagte sie, »aber was wollte ich Ihnen doch erzählen? Wovon sprachen wir denn? Ja! von Leschnew. Ich habe mit ihm über Landvermessung zu verhandeln. Mehrmals schon habe ich ihn zu mir eingeladen und erwarte ihn sogar heute; er kommt aber nie … ein wahrer Sonderling.«
Der Vorhang an der Tür wurde behutsam zurückgezogen und der Haushofmeister, ein hochgewachsener, grauer Mann mit einer Glatze, in schwarzem Frack, weißer Halsbinde und weißer Weste, trat ein.
»Was willst du?« fragte Darja Michailowna und setzte mit einer leichten Wendung zu Rudin halblaut hinzu: »n’est ce pas, comme il ressemble à Canning?«
»Michael Michailitsch Leschnew ist angekommen,« meldete der Mann, »befehlen Sie zu empfangen?«
»Ach, mein Gott!« rief Darja Michailowna, »er kommt wie gerufen. Bitte ihn her!«
Der Haushofmeister ging hinaus.