»Und Sie wollen nicht einmal das Frühstück bei mir einnehmen?« fragte sie.
»Danke Ihnen gehorsamst; ich frühstücke niemals, und dann muß ich auch bald nach Hause.«
Darja Michailowna erhob sich.
»Ich will Sie nicht aufhalten,« sagte sie, ans Fenster tretend, »ich darf Sie nicht aufhalten.«
Leschnew verabschiedete sich.
»Adieu, Monsieur Leschnew! Verzeihen Sie, daß ich Sie belästigt habe.«
»Oh, ich bitte, hat nichts zu sagen,« erwiderte Leschnew und ging hinaus.
»Wie gefällt er Ihnen?« fragte Darja Michailowna Rudin. »Ich hatte wohl von ihm gehört, er sei ein sonderbarer Mensch; dies übersteigt aber doch alles!«
»Er leidet an demselben Übel wie Pigassow,« erwiderte Rudin, »dem Verlangen, originell zu erscheinen. Jener spielt den Mephistopheles, dieser den Zyniker. In allem dem steckt viel Egoismus, viel Selbstsucht und wenig Wahrheit, wenig Liebe. Das ist ja auch eine Berechnung in ihrer Art: es bindet sich einer die Larve der Gleichgültigkeit und der Nachlässigkeit vor, da muß denn gleich, denkt er, ein jeder auf den Gedanken kommen, daß der Mensch auf unverantwortliche Weise sein Licht unter den Scheffel stellt! Aber näher betrachtet, ist gar kein Licht vorhanden!«
»Et de deux!« äußerte Darja Michailowna. »Sie sind furchtbar in der Charakterschilderung. Ihnen entgeht man nicht.«