Und es ergoß sich seine Rede wie ein Strom. Er sprach schön, begeistert, hinreißend – über Kleinmütigkeit und Trägheit, über die Notwendigkeit, Taten zu vollbringen. Er machte sich selbst Vorwürfe, bewies, daß sich über das, was man leisten wolle, im voraus auszulassen, ebenso nachteilig wäre, wie wenn man eine reifende Frucht mit einer Nadel anstechen wollte, das sei nur nutzlose Vergeudung der Kräfte und Säfte. Er behauptete, es gäbe keinen edleren Gedanken, der nicht Anklang fände, daß nur jene Menschen unverstanden blieben, die entweder selbst noch nicht wüßten, was sie wollen, oder solche, die nicht wert seien, verstanden zu werden. Er sprach lange und schloß seine Rede damit, daß er Natalia nochmals dankte und ganz unerwartet, ihr die Hand drückend, sagte: »Sie sind ein herrliches, edles Wesen!«
Diese Freiheit setzte Mlle. Boncourt in Erstaunen, die, trotz ihres vierzigjährigen Aufenthaltes in Rußland, mit Mühe das Russische verstand und nur die anmutige Schnelligkeit und das Fließende in der Rede Rudins bewunderte. Er galt überhaupt in ihren Augen als eine Art Virtuos oder Künstler, und an Leute dieses Schlages durften keine Schicklichkeitsforderungen gestellt werden.
Sie erhob sich von ihrem Platze und ihr Kleid hastig zurechtklopfend, machte sie Natalia darauf aufmerksam, daß es Zeit sei heimzukehren, um so mehr, da monsieur Volinsoff (so nannte sie Wolinzow) sich zum Frühstück habe einfinden wollen.
»Da ist er bereits!« fügte sie mit einem Blicke nach einer der Alleen, die zum Hause führten, hinzu.
Und wirklich zeigte sich Wolinzow in einiger Entfernung.
Mit unentschlossenen Schritten trat er näher, begrüßte alle schon von weitem und, mit leidendem Ausdruck im Gesichte, sich zu Natalia wendend, fragte er:
»Ah! Sie gehen spazieren?«
»Ja,« antwortete Natalia, »wir waren im Begriff, nach Hause zurückzukehren.«
»Ah!« sprach Wolinzow. »Nun, so wollen wir gehen.«
Und alle machten sich nach dem Hause auf.