»Obgleich im Grunde gehaltlos,« wiederholte Leschnew, »das tut aber weiter nichts: wir sind alle gehaltlose Menschen. Ich rechne es ihm sogar nicht als Schuld an, daß er herrschsüchtigen Geistes ist, träge, nicht sehr kenntnisreich …«

Alexandra Pawlowna schlug die Hände zusammen.

»Rudin nicht sehr kenntnisreich!« rief sie aus.

»Nicht sehr kenntnisreich,« wiederholte Leschnew ganz in demselben Tone, »auch daß er es liebt, auf Kosten anderer zu leben, eine Rolle spielen will und so weiter … das ist alles in der Ordnung. Schlecht ist es aber, daß er kalt ist wie Eis.«

»Er, diese feurige Seele, kalt!« unterbrach ihn Alexandra Pawlowna.

»Ja, kalt wie Eis, und er weiß es und spielt den Feurigen. Schlecht ist das,« fuhr Leschnew, allmählich sich belebend, fort, »denn es ist ein gefährliches Spiel, das er spielt – gefährlich, nicht für ihn, versteht sich, keinen Kopeken, kein Härchen setzt er auf die Karte – andere dagegen setzen ihre Seele ein …«

»Von wem, wovon reden Sie? Ich verstehe Sie nicht,« sagte Alexandra Pawlowna.

»Schlecht ist, daß er nicht ehrlich ist. Weil er ein Mann von Geist ist, muß er den Wert seiner Worte kennen, – und doch läßt er sie von seinen Lippen fallen, als ob sie ihm aus dem Herzen kämen … Nun ja, er ist beredt; seine Beredsamkeit ist aber nicht die eines Russen. Und dann – verzeiht man auch der Jugend Schönrednerei, in seinem Alter ist es eine Schande, am Getön eigener Worte Gefallen zu finden, eine Schande, sich derartig zur Schau zu stellen.«

»Mich dünkt, Michael Michailitsch, für den Zuhörer ist es ganz gleich, ob man sich zur Schau stellt oder nicht …«

»Bitte um Vergebung, Alexandra Pawlowna, es ist nicht ganz gleich. Es kann mir jemand ein Wort sagen und es dringt mir durch Mark und Bein, ein anderer sagt mir genau dasselbe Wort und vielleicht noch schöner – und es wird mir nicht einmal das Ohr kitzeln. Woher kommt das?«