»Das heißt, Ihr Ohr wird es nicht kitzeln,« unterbrach ihn Alexandra Pawlowna.

»Ja, mein Ohr,« erwiderte Leschnew, »obgleich ich vielleicht große Ohren habe. Die Sache ist die, daß Rudins Worte eben nur Worte bleiben und niemals zu Taten werden, dennoch aber können diese seine Worte Verwirrungen erzeugen in einem jungen Herzen und dasselbe zugrunde richten.«

»Von wem, von wem reden Sie aber, Michael Michailitsch?«

Leschnew zögerte.

»Sie wünschen zu wissen, von wem ich rede? Von Natalia Alexejewna.«

Alexandra Pawlowna wurde für einen Augenblick verwirrt, lächelte aber gleich darauf.

»Du lieber Gott!« begann sie, »was für sonderbare Einfälle Sie immer haben! Natalia ist noch ein Kind; und dann, gesetzt es wäre auch etwas daran, so werden Sie doch nicht glauben, daß Darja Michailowna …«

»Darja Michailowna ist vor allem eine Egoistin und lebt nur für sich; dann aber ist sie so sehr von ihrer Erfahrung in Erziehung der Kinder überzeugt, daß es ihr nicht einmal einfällt, um ihre Tochter besorgt zu sein. Bewahre! Wie könnte sie das! Ein Wink, ein majestätischer Blick – und alles muß wie am Drahte gehen. Das ist’s, woran diese Gnädige denkt, die sich eine Beschützerin der Künste und Wissenschaften dünkt, sich für einen hohen Geist und Gott weiß was noch hält, in der Tat aber weiter nichts ist als ein altes Weltdämchen. Natalia ist kein Kind; glauben Sie mir, sie gibt sich häufigeren und tieferen Betrachtungen hin als wir beide. Und da mußte solch ein ehrliches, leidenschaftliches Gemüt auf diesen Schauspieler, diesen Gecken stoßen! Übrigens ist auch dies in der Ordnung.«

»Gecken! Sie nennen ihn einen Gecken?«

»Natürlich ihn … Sagen Sie doch selbst, Alexandra Pawlowna, was für eine Rolle spielt er bei Darja Michailowna? Den Götzen, das Orakel des Hauses vorstellen, sich in die Wirtschaft, in häusliche Klatschereien und Lappalien mischen – ist das wohl eines Mannes würdig?«