»Was war es denn, was Sie an ihm entdeckt hatten?«

»Nun, alles, wovon ich Ihnen vor einer Stunde erzählte. Doch genug von ihm. Vielleicht endet noch alles gut. Ich wollte Ihnen nur beweisen, daß, wenn ich über ihn ein strenges Urteil fälle, ich es nicht tue, weil ich ihn etwa nicht kenne … Was indessen Natalia Alexejewna betrifft, so will ich nicht unnütze Worte verlieren; Sie aber mögen auf Ihren Bruder achtgeben.«

»Auf meinen Bruder! Was ist denn mit ihm?«

»Sehen Sie ihn doch nur an. Bemerken Sie denn nichts?«

Alexandra Pawlowna senkte den Kopf.

»Sie haben recht,« sagte sie, »mein Bruder … seit einiger Zeit erkenne ich ihn nicht wieder … Glauben Sie aber wirklich …«

»Still! Er kommt, deucht mir,« flüsterte Leschnew. »Natalia ist gewiß kein Kind mehr, glauben Sie mir’s, obschon sie unerfahren ist wie ein solches. Sie werden sehen, dieses kleine Mädchen wird uns noch alle in Erstaunen setzen.«

»Wodurch meinen Sie?«

»So meine ich: solche kleine Mädchen pflegen sich ins Wasser zu stürzen, Gift zu nehmen und dergleichen mehr. Beurteilen Sie sie nicht nach ihrem ruhigen Aussehen, sie besitzt heftige Leidenschaften und auch Charakter, verlassen Sie sich darauf!«

»Nun, mir scheint, Sie versteigen sich in das Reich der Dichtung. Einem solchen Phlegmatiker wie Ihnen könnte auch ich noch als ein Vulkan erscheinen.«