»Dmitri Nikolaitsch!« begann sie.
»Was wünschen Sie?«
»Erinnern Sie sich … des Gleichnisses, das Sie gestern gebrauchten … es war … von der Eiche.«
»Gewiß! Ich erinnere mich. Aber warum diese Frage?«
Natalia warf verstohlen einen Blick auf Rudin.
»Warum … was wollten Sie mit dem Gleichnisse sagen?«
Rudin senkte den Kopf und ließ den Blick in die Weite schweifen.
»Natalia Alexejewna!« fing er mit dem ihm eigenen, zurückhaltenden und bedeutungsvollen Ausdruck an, der seine Zuhörer stets glauben machte, er äußere kaum den zehnten Teil von dem, was ihm die Brust schwellte. »Natalia Alexejewna! Sie haben bemerken müssen, daß ich von meiner Vergangenheit wenig rede. Es gibt darin gewisse Saiten, die ich gar nicht berühre. Mein Herz … wer braucht überhaupt zu wissen, was in demselben vorgegangen ist? Solche Dinge zu offenbaren, habe ich stets für einen Frevel gehalten. Ihnen gegenüber jedoch bin ich aufrichtig: Sie erwecken mein Zutraun … Ich darf Ihnen kein Geheimnis daraus machen, daß auch ich geliebt und gelitten habe, wie alle … Wann und wie? davon lohnt sich’s nicht zu sprechen; genug, mein Herz hat der Freuden und Leiden viel erfahren …«
Rudin hielt einen Augenblick inne.
»Das, was ich Ihnen gestern sagte,« fuhr er fort, »ließ sich in gewisser Hinsicht auf mich anwenden, auf meine jetzige Lage. Doch wahrlich, es lohnt nicht, davon zu reden. Diese Seite des Lebens ist für mich bereits dahin. Mir bleibt jetzt nur, mich auf staubiger und heißer Landstraße in elendem Wagen von Station zu Station fortrütteln zu lassen … Wann ich mein Ziel erreichen – ob ich es überhaupt erreichen werde – das weiß Gott … Lassen Sie uns lieber von Ihnen sprechen.«