»Ja … ja; ich weiß, wer Ihnen gefällt. Und ich muß Ihnen sagen – eine bessere Wahl konnten Sie nicht treffen. Er ist ein vortrefflicher Mensch; er wird Sie zu schätzen verstehen; das Leben hat ihn noch nicht abgenutzt – seine Seele ist einfach und klar … er wird Sie glücklich machen.«

»Von wem sprechen Sie, Dmitri Nikolajewitsch?«

»Sie sollten nicht verstehen, von wem ich spreche? Natürlich von Wolinzow. Wie? Sollte ich mich geirrt haben?«

Natalia wandte sich etwas von Rudin ab. Sie war ganz außer Fassung.

»Liebt er Sie denn nicht? Gehen Sie doch! Er hat nur Augen für Sie und folgt jeder Ihrer Bewegungen; läßt sich denn überhaupt die Liebe verheimlichen? Und sind Sie ihm denn nicht selbst gut? Soviel ich bemerken konnte, gefällt er auch Ihrer Mama … Ihre Wahl …«

»Dmitri Nikolaitsch!« unterbrach ihn Natalia, in ihrer Verwirrung die Hand nach einem nahestehenden Strauche ausstreckend, »wirklich, es ist mir peinlich, über diesen Gegenstand zu sprechen; ich versichere Ihnen aber, Sie irren sich.«

»Ich mich irren?« wiederholte Rudin. »Ich glaube es nicht … Ich habe zwar erst vor kurzem Ihre Bekanntschaft gemacht; kenne Sie aber bereits gut. Was bedeutet denn die Veränderung, die ich an Ihnen wahrnehme, deutlich wahrnehme! Sind Sie denn jetzt dieselbe, wie ich Sie vor sechs Wochen gefunden habe? Nein, Natalia Alexejewna, Ihr Herz ist nicht ruhig.«

»Kann sein,« erwiderte kaum hörbar Natalia, »Sie sind aber dennoch im Irrtum.«

»Inwiefern?« fragte Rudin.

»Lassen Sie mich, fragen Sie mich nicht!« sagte Natalia und eilte raschen Schrittes dem Hause zu.