Langsam kehrte Alexandra Pawlowna auf dem Wege nach Hause zurück. Gesenkten Blickes schritt sie dahin, als der Hufschlag eines Pferdes in der Nähe sie zwang, stehen zu bleiben und den Blick zu erheben … Ihr entgegen ritt ihr Bruder; neben ihm schritt ein junger Mann, mittleren Wuchses, in aufgeknöpftem, dünnem Röckchen, schmalem Halstüchelchen und leichtem grauen Hute, mit einem Spazierstöckchen in der Hand. Schon von weitem lächelte er Alexandra Pawlowna entgegen, obgleich er wohl sah, daß sie in Gedanken versunken einherging, ohne auf irgend etwas acht zu geben. Sie bemerkte ihn erst, als er zu ihr herantrat und freudig, fast zärtlich sagte:
»Guten Morgen, Alexandra Pawlowna, guten Morgen!«
»Ah! Constantin Diomiditsch! Guten Tag!« antwortete sie. »Sie kommen von Darja Michailowna?«
»Gewiß, gewiß,« rief mit strahlendem Gesicht der junge Mann, »von Darja Michailowna. Sie hat mich zu Ihnen geschickt; ich habe es vorgezogen zu Fuß zu kommen … Der Morgen ist so wunderschön, es sind im ganzen nur vier Werst bis hierher. Ich komme – finde Sie nicht zu Hause. Ihr Bruder sagt mir, sie seien nach Semenowka gegangen, er selbst war im Begriff aufs Feld zu reiten; so bin ich denn mit ihm gegangen, Ihnen entgegen. Jawohl. Wie herrlich!«
Der junge Mann sprach russisch, rein und grammatikalisch richtig, jedoch mit einem fremden Akzent, dessen Abstammung schwer zu bestimmen war. In seinen Gesichtszügen lag etwas Asiatisches. Die lange, gebogene Nase, die großen, hervortretenden, starren Augen, die dicken roten Lippen, die eingedrückte Stirn, das pechschwarze Haar, – alles an ihm bekundete die orientalische Abkunft.
Sein Name war Pandalewski und als seine Heimat gab er Odessa an, obgleich er irgendwo in Weißrußland auf Kosten einer wohltätigen und reichen Witwe erzogen worden war. Eine andere Witwe hatte ihm eine Anstellung ausgewirkt. Überhaupt begünstigten ihn vorzugsweise Frauen reiferen Alters: er verstand es, von ihnen zu erlangen, was er wollte.
Auch im gegenwärtigen Augenblick lebte er bei einer reichen Gutsbesitzerin, Darja Michailowna Laßunski, als Pflegesohn oder Kostgänger. Er war überaus freundlich, dienstbereit, gefühlvoll und im geheimen sinnlich, hatte eine angenehme Stimme, spielte nicht schlecht Klavier und pflegte jedermann, mit dem er sprach, starr anzublicken. Seine Kleidung war sehr sauber und hielt bei ihm lange vor, sein breites Kinn war sorgfältig rasiert und sein Haar stets glatt gekämmt.
Alexandra Pawlowna hörte seine Anrede bis zu Ende an und wandte sich darauf zu ihrem Bruder.
»Heute begegne ich einem nach dem andern; soeben habe ich Leschnew gesprochen.«
»Ah! wirklich!«