Und Rudin näherte sich Wolinzow.
»Verzeihen Sie, mein Herr,« sagte Wolinzow, indem er sich zu Rudin wandte und einen Schritt zurücktrat: »ich bin bereit, Ihren Absichten volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, das ist alles sehr schön, sogar erhaben, wir sind aber schlichte Leute, an Marzipan nicht gewöhnt, wir sind nicht imstande, dem Schwunge so hoher Geister, wie des Ihrigen, zu folgen … Was Ihnen aufrichtig erscheint, dünkt uns zudringlich und unbescheiden … Was Ihnen einfach und klar vorkommt, ist für uns verwickelt und dunkel … Sie prahlen mit dem, was wir heimlich halten: wie sollte unsereiner Sie verstehen! Verzeihen Sie mir: weder als meinen Freund kann ich Sie betrachten, noch Ihnen die Hand reichen … Vielleicht ist das kleinlich; ich bin jedoch selbst klein.«
Rudin ergriff seinen Hut.
»Leben Sie wohl, Sergei Pawlitsch!« sagte er betrübt, »meine Erwartungen haben mich getäuscht. Mein Besuch war in der Tat etwas ungewöhnlich, ich hatte jedoch gehofft … (Wolinzow machte eine ungeduldige Bewegung) … Verzeihen Sie, ich werde nicht mehr davon reden. Alles erwogen, sehe ich, daß Sie wirklich recht haben und nicht anders handeln konnten. Leben Sie wohl, und erlauben Sie mir wenigstens, daß ich Ihnen noch einmal, zum letzten Male die Lauterkeit meiner Absichten beteuere … Von Ihrer Verschwiegenheit bin ich überzeugt …«
»Das ist denn doch zu stark!« rief Wolinzow zitternd vor Zorn, »ich habe mich Ihrem Vertrauen in keiner Weise aufgedrängt; und Sie haben darum durchaus kein Anrecht auf meine Verschwiegenheit!«
Rudin wollte noch etwas sagen, spreizte jedoch bloß die Arme auseinander, verneigte sich und verließ das Gemach, Wolinzow aber warf sich auf den Diwan und kehrte das Gesicht gegen die Wand.
»Darf ich zu dir?« ließ sich an der Tür Alexandra Pawlownas Stimme vernehmen.
Wolinzow gab nicht sogleich Antwort und fuhr mit der Hand hastig über das Gesicht. »Nein, Sascha,« sagte er mit etwas veränderter Stimme: »warte noch etwas.«
Eine halbe Stunde später näherte sich Alexandra Pawlowna von neuem der Tür.
»Michael Michailitsch ist gekommen,« sagte sie, »willst du ihn sehen?«