»Gewiß,« erwiderte Wolinzow, »laß ihn kommen.« Leschnew trat herein.

»Ist dir nicht wohl?« fragte er und ließ sich auf einen Sessel neben dem Diwan nieder.

Wolinzow erhob sich etwas, stützte sich auf den Arm, blickte seinem Freunde lange, lange ins Gesicht und erzählte ihm dann sogleich Wort für Wort sein ganzes Gespräch mit Rudin. Bis dahin hatte er nie vor Leschnew seiner Gefühle für Natalia Erwähnung getan, obwohl er vermuten konnte, daß sie kein Geheimnis für ihn waren.

»Du hast meine Verwunderung erregt, Bruder,« sagte Leschnew, als Wolinzow seine Erzählung beendigt hatte. »Auf viele Sonderbarkeiten seinerseits war ich gefaßt; dies aber … Übrigens erkenne ich ihn auch hierin wieder.«

»Aber bedenke doch!« sagte Wolinzow, »das ist ja geradezu eine Frechheit! Fast hätte ich ihn zum Fenster hinausgeworfen. Hat er vor mir prahlen wollen oder im voraus Angst bekommen? Und zu welchem Ende? Wie kann man zu einem Menschen gehen …«

Wolinzow hielt sich den Kopf mit beiden Händen und schwieg.

»Nein, Bruder, das ist es nicht,« erwiderte Leschnew gelassen. »Du wirst mir’s nicht glauben, ich bin jedoch überzeugt, er hat es in guter Absicht getan. Wahrhaftig … Siehst du, das hat so einen Anstrich von Edelsinn und Offenherzigkeit, und bietet einen Vorwand zum Reden, der Beredsamkeit freien Lauf zu gewähren; das eben brauchen wir ja, ohne dergleichen könnten wir nicht leben … Ah, seine Zunge – seine Rednergabe – sie ist seine Feindin … sie hat ihm aber auch recht brav gedient!«

»Du kannst dir nicht vorstellen, mit welcher Feierlichkeit er hereintrat und seine Rede vorbrachte!«

»Nun, das ist so seine Art. Knöpft er seinen Rock zu, so tut er’s, als erfüllte er eine heilige Pflicht. Ich möchte ihn auf eine unbewohnte Insel setzen und aus einem Hinterhalt beobachten, wie er da wohl schalten und walten würde. Und der faselt dabei immer von Einfachheit!«

»Sage mir aber, Bruder, um des Himmels willen, soll das etwa Philosophie sein?« fragte Wolinzow.