Natalia gab nicht darauf acht und lief weiter, ohne sich umzusehen.
»Ach, wenn man uns nur nicht belauscht!« rief Mascha zu wiederholten Malen. »Selbst das ist schon zu bewundern, wie wir aus dem Hause gekommen sind. Wenn die Mamsell nur nicht erwacht ist … Ein Glück, daß es nicht weit ist … Und der Herr wartet auch schon,« setzte sie hinzu, als sie plötzlich die stattliche Figur Rudins gewahr wurde, der malerisch auf dem Damme stand, »doch, warum steht denn der Herr so hoch, – besser wäre es, er stellte sich in die Vertiefung.«
Natalia blieb stehen.
»Warte hier bei den Fichten, Mascha,« sagte sie und schritt zu dem Teich hinab.
Rudin trat zu ihr heran und blieb verwundert stehen. Einen solchen Ausdruck hatte er noch nicht auf ihrem Gesichte bemerkt. Die Brauen waren zusammengezogen, die Lippen aufeinandergepreßt, der Blick war fest, ja fast strenge.
»Dmitri Nikolaitsch,« begann sie, »wir haben keine Zeit zu verlieren. Ich bin auf fünf Minuten hergekommen. Ich muß Ihnen sagen, daß Mama alles weiß. Herr Pandalewski hat uns vorgestern belauscht und ihr von unserer Zusammenkunft erzählt. Er war immer Mamas Spion. Gestern rief sie mich zu sich …«
»Mein Gott!« rief Rudin aus, »das ist schrecklich! … Was hat Ihre Mama gesagt?«
»Sie war nicht böse auf mich, hat mich nicht gescholten, nur Vorwürfe machte sie mir über meinen Leichtsinn.«
»Weiter nichts?«
»Ja, dann erklärte sie mir, sie würde sich eher mit dem Gedanken vertragen, daß ich stürbe, als daß ich Ihre Frau würde.«