Der Beamte nahm die Aussagen des Juweliers zu Protokoll, gab demselben bezüglich der Anzeige seine Zufriedenheit zu verstehen und der Juwelier wurde entlassen.
Nun wurde Karl in's Verhör genommen. Er zitterte heftig und oft versagte ihm die Stimme; er mußte seinen Namen, den Tag seiner Geburt, den Stand und den Wohnort seiner Eltern angeben und dann kam es zur Erzählung bezüglich der Auffindung des Ringes im zerstörten Dohlen-Neste. So viel merkte er an der Miene des Beamten, daß seiner Erzählung wenig Glauben geschenkt wurde; auch wurde er oft ermahnt, nur die Wahrheit an zu geben. Dieses schmerzte Karl, er sagte die Wahrheit und man wollte ihm doch keinen Glauben schenken.
Das Verhör wurde geschlossen und Karl abgeführt – in das Gefängniß.
Fünftes Kapitel.
Karl entweicht aus dem Gefängnisse.
Wie einer, dem das Todesurtheil eröffnet wurde und der dem Tage der Hinrichtung entgegen sieht, so saß Karl in dem Gefängnisse.
Wie sehr bereute er es jetzt, daß er der freundlichen Aufforderung des Metzgergesellen nicht Folge geleistet und sich mit ihm zurück in seine Heimath begeben hatte.
Ist nicht, sprach er zu sich selbst, die Zerstörung des Dohlen-Nestes die Ursache, weshalb ich jetzt im Kerker liege? Hätte ich das Nest nicht zerstört, so würde ich den Ring nicht in demselben entdeckt haben und dieser Ring hat mich in das Gefängniß gebracht.
O Himmel, wie wird das enden? Man glaubt mir nicht, daß ich den Ring im Neste gefunden habe, man ist vielleicht gar der Ansicht, ich hätte ihn entwendet. Und habe ich nicht darin gefehlt, daß ich den Fund verheimlichte? Ach, in welches Unglück habe ich mich gestürzt!
Und mein Vater, o mein armer Vater! brach er in Wehklagen aus, wie wird ihn die Nachricht erschüttern, wenn es heißt, sein einziger Sohn sitze im Gefängnisse, des Diebstahles gezeiht!
Und meine arme Schwester; meine arme Schwester! rief er, welche Schande bringe ich über Vater und Schwester!