Er schluchzte, daß ihm die Thränen von den Wangen flossen.

Dann warf er sich auf den Strohsack und weinte bitterlich fort.

Da öffnete sich die Thüre des Gefängnisses; eine betagte Frauensperson erschien, um dem Gefangenen ein Schüßelchen mit magerer Suppe und ein Stück schwarzes Brod zu bringen.

Da junger Galgenvogel, sprach sie, nimm und iß! deine Jugend dauert mich, du fängst früh an, dich auf das große Werk vorzubereiten, einst eine Zierde des Galgens zu werden.

Hilf mir o Herr! schrie sie auf einmal, als sich Karl vom Strohsacke empor gerichtet und sie angeschaut hatte, bist denn du nicht Daruffs Karl?

Karl stand auf, er erkannte sogleich in der Person seine frühere Wärterin; er wischte sich die Thränen aus dem Gesichte, nahm taumelnd vor Freude und Ueberraschung die Person bei der Hand, sah ihr so recht mit dem innigsten Gefühle der Anhänglichkeit in das Gesicht und sprach: ihr seid's Margaretha? Ach, wie bin ich doch jetzt so froh, daß Jemand um mich ist, von dem ich gekannt bin. Ach, Margaretha, ihr könnt gewiß viel für mich thun. Ich bin unschuldig und – hier brachen ihm die Thränen wieder hervor – man glaubt mir nicht, daß ich unschuldig bin. Seht, gute Margaretha, so bin ich nun in dieses Gefängniß gekommen und wenn das der Vater erfährt, so darf ich ihm nicht mehr vor das Angesicht kommen. Ihr wißt ja, Margaretha, wie streng er ist. Helft mir doch, gute Margaretha, wenn ich wieder nach Hause komme, will ich es auch bei meinem Vater dahin bringen, daß er euch eine tüchtige Portion vom besten Kaffee schickt. Aber helft mir jetzt nur! Dabei drückte er Margaretha's Hand fest an sich, die ihm jetzt als die einzige Stütze erschien.

Margaretha war tief gerührt, sie ließ sich auf dem Strohsacke nieder und sprach: ach, du lieber Gott! wer hätte denken sollen, daß ich dich einmal im Gefängnisse antreffen würde. Wie lange habe ich dich doch auf meinen Armen getragen, wie viele schlummerlose Nächte hast du mir als Kind verursacht und nun muß ich alte Person noch erleben, dich im Gefängnisse zu sehen.

Und sie fuhr mit der Hand nach dem Auge, als spüre sie, daß ihr Thränen ankamen.

Aber Margaretha, sagte Karl, ich bin ja unschuldig.

Und er erzählte ihr getreulich den ganzen Hergang vom Beginne der Zerstörung des Dohlen-Nestes bis zu seiner Einkerkerung.