Ei, du lieber Gott! brach hierauf Margaretha in die Worte aus, wie dauert mich der gute Vater. Die Polizei schreibt jetzt an ihn und wenn er ein solches Schreiben empfängt – o du lieber Gott, Karl, was hast du angestellt?
Große Angst kam auf's Neue über Karl und er fragte mit der größten Beklommenheit: ich werde also nicht wieder frei gelassen und nach Hause geschickt?
O nein! sprach Margaretha, so geht das nicht, ach Herr im Himmel! stehe uns bei.
Karl weinte heftig und sprach: ach, gute Margaretha, laßt mich entwischen. Gute, gute Margaretha! erbarmt euch meiner und helft mir, daß ich aus dem Gefängnisse entkomme! Und er drückte wieder ihre Hand heftig an sich.
Wie kann ich das, versetzte Margaretha, ich würde mich nur unglücklich machen und du würdest bald wieder eingefangen seyn und hieher zurück gebracht werden. Und dann dürfte es erst schlimm um dich stehen.
Ach, Margaretha, fuhr Karl fort, wenn ihr macht, daß ich aus diesem Gefängnisse komme, so will ich mich gleich zu meinem Vater nach Hause begeben und ihm Alles erzählen, wie es mir erging. Und, gute Margaretha, das wird euch mein Vater gewiß nicht vergessen, daß ihr euch meiner angenommen habt.
Margaretha besann sich und sprach hierauf: aber Karl sage mir, hast du wirklich den Ring im Neste gefunden?
Gewiß Margaretha, entgegnete dieser, o! wenn ihr mir nicht glauben wollt, wie sollen mir erst fremde Menschen glauben?
Wenn du mir versprichst, sagte nun Margaretha, daß du dich eiligst und geraden Weges zurück zu deinem Vater begeben willst, so will ich es wagen und dir aus dem Gefängnisse verhelfen. Aber bedenke, wie unglücklich du mich machst, wenn du nicht Wort hältst. Ich werde dann aus dem Dienste gestoßen und verliere die Pension, auf welche ich Anspruch zu machen habe, wenn ich mich noch ein Jahr ordentlich in diesem Dienste verhalte. Dir und deinem Vater die Schande zu ersparen, daß du vielleicht mit dem Gerichtsdiener in dein elterliches Haus geliefert werdest, will ich ein Auge zudrücken; ach, ich bin eine alte Person, habe so viele Wohlthaten in deines Vaters Haus genossen, daß es mir kein Mensch verargen kann, wenn ich dir jetzt aus dem Gefängnisse helfe, zudem da du ja unschuldig bist und zu deinem Vater zurück kehren wirst. Verhalte dich also ruhig bis gegen Abend; ich werde wieder kommen und dich den Weg führen, der dich in das Freie geleitet.
Karl küßte im Uebermaße seiner Freude die alte Wärterin und drückte sie an seine Brust, daß Margaretha zu weinen anfieng.