Laßt mich nur, gute Margaretha, hub er an, einmal zu Vermögen kommen; es soll euch dann nicht schaden, wenn ihr auch die Pension einbüßet; ich komme dann mit einer Kutsche nach Bremen, hole euch ab und ihr verbringt dann eure alten Tage recht vergnügt und froh bei Karl Daruff junior. Aber weint doch nicht, meine gute Margaretha und er wischte ihr mit der Hand die Thränen aus dem Gesichte.

So verhalte dich nun ruhig, mein lieber Karl, sprach Margaretha, sei nicht mehr traurig, iß von der Suppe und vom Brode, wenn auch beides nicht so gut, wie in deinem väterlichen Hause ist, so mußt du dich jetzt doch damit begnügen, denn ohne Aufsehen zu erregen kann ich vor Abend nicht wieder zu dir kommen.

Und Margaretha entfernte sich.

Nun war Karl wie umgewandelt. Er freute sich, bald wieder auf dem Wege nach dem elterlichen Hause zu seyn und so ließ er sich die magere Suppe und das schwarze Brod trefflich schmecken. Dann hüpfte er im Gefängnisse umher und spähte durch das vergitterte Fensterchen, ob der Abend nicht bald heran nahe.

Ja, ja, Margaretha, sprach er vor sich hin, du sollst gut belohnt werden! dann fiel er auf die Kniee und betete: »guter Gott, ich danke dir, daß du mir in dieser Margaretha einen Engel gesandt hast, der mich aus dem Gefängnisse befreien wird. Du bist allzeit den Unschuldigen väterlich zugethan, du weißt, daß ich unschuldig bin und so bist du mir auch mit deinem Schutze nahe.

Ich habe wohl gesündigt und mir selbst dieses Mißgeschick bereitet, indem ich grausam gegen deine Geschöpfe war und fremdes Gut unrechter Weise mir angeeignet habe, aber verzeihe mir guter Vater im Himmel! Ich will nie mehr in diese Fehler zurück fallen und künftig nur so leben, daß du allzeit Wohlgefallen an mir hast!«

So betete Karl aus dem Innersten seines Herzens.

Allmählich kam der Abend näher. Karl horchte aufmerksam auf jedes Geräusch und hoffte mit jedem Fußtritte, den er vernahm, den Eintritt seiner guten Margaretha.

Endlich klirrte der Riegel, die Thüre gieng langsam auf und Margaretha erschien.

Sie trug eine schmutzige Jacke und sprach: nun, mein Gefangener, ist dir die Zeit nicht lange geworden?