Ich habe euch, entgegnete Karl, kaum erwarten können.

Nun komm her, sagte sie, gieb mir deinen Rock und ziehe diese Küchen-Jacke an; es ist zur bessern Sicherheit und, fügte sie schmunzelnd bei, wenn einst mein Karl seine Margaretha vergessen sollte, so soll dieser Rock das Zeichen seyn, welches dich an mich erinnert.

Ach, erwiederte Karl, wie könnte ich euch Margaretha je vergessen!

Als nun Karl die Jacke angezogen hatte, sprach Margaretha: wenn du jetzt nach Hause kommst, so grüße deinen Vater und deine Schwester vielmal von der alten Margaretha und damit du unter Wegs nicht Noth leiden mußt, so habe ich in die Jacke ein Stück Braten, ein weißes Brod und ein Fläschchen mit Wein gesteckt. Lasse dir Alles recht wohl schmecken und komme glücklich nach Hause!

Mit dankbarem Herzen küßte Karl wiederholt seine Wohlthäterin, welcher er dann aus dem Gefängnisse folgte. Margaretha geleitete ihn nun durch mehre dunkle Gänge, führte ihn dann über einen großen, freien Platz, öffnete mühsam ein großes Thor, Karl sah sie nochmals mit einem dankbaren Blicke an, entfernte sich durch das Thor und unbeschreiblich war ihm zu Muthe, als er das Thor hinter sich wieder schließen hörte.

Sechstes Kapitel.
Karl zu Schiffe.

Die Nacht brach ein und es wurde allmählig dunkler in den Strassen von Bremen. Karl eilte auf das Thor zu, durch welches er gekommen war, und wie leicht war es ihm jetzt um das Herz, als er die Stadt hinter sich hatte, in welcher er des Diebstahls verdächtig und in das Gefängniß gebracht wurde.

Er eilte rastlos seiner Heimath zu, doch hatte er noch keine große Strecke zurück gelegt, da blieb er auf einmal stehen und wie von einem bösen Geiste wurde er vom Gedanken ergriffen, welchen Empfang er zu Hause zu gewärtigen habe?

Darf ich denn auch, fragte er sich, meinem Vater unter die Augen kommen?

Habe ich nicht Strafe zu befürchten, weil ich mich so lange vom Hause ohne Wissen und Willen meines Vaters entfernt? Zudem hat er jetzt die ganze Geschichte mit dem Hunde im Garten erfahren, er ist sicher heftig gegen mich aufgebracht, was habe ich nicht Alles zu befürchten?