Er war unschlüssig, ob er seinen Weg fortsetzen solle, da fiel ihm die alte Margaretha ein, der er es so fest versprochen hatte, sich auf geradem Wege nach Hause zu begeben.

Begehe ich nicht einen neuen Fehler, sagte er, wenn ich mein Wort nicht halte und nicht eilig heimkehre? Und mache ich die gute Margaretha nicht unglücklich, wenn ich meinem Versprechen nicht nachkomme?

Er that wieder einige Schritte vorwärts, blieb aber auch gleich wieder stehen und fuhr fort: hat denn aber auch Margaretha nicht gesagt: die Polizei werde an meinen Vater schreiben und ihm die Geschichte mit dem Ring, so wie meine Einsperrung mittheilen? Ach, du lieber Gott! gewiß ist schon an meinen Vater geschrieben worden und wenn ich nun nach Hause komme, werde ich als ein Dieb empfangen! Nein, nein! ich darf nicht nach Hause! Ach, gute Margaretha, verzeiht mir! Ich darf, ich darf nicht nach Hause!

Und er entschloß sich, umzukehren.

Während er nun wieder der Stadt Bremen zuging, überlegte er, wie und wo er sich aufhalten könne. Ueberall sah er Hindernisse. Er sah sich von der Polizei verfolgt und dachte mit Schauder zurück an das Gefängniß.

Endlich war er mit sich einig. Er nahm sich vor, an den Hafen zu gehen und falls ein Schiff segelfertig mit der Bestimmung nach London vor Anker liege, sich als Schiffsjungen anwerben zu lassen und zu seinem Onkel Heinrich nach London zu reisen.

Von London aus wollte er dann an seinen Vater schreiben, so wie er auch der alten Margaretha einen Brief schicken wollte, in welchem er sie um Verzeihung zu bitten und sie wegen ihrer Zukunft zu beruhigen gedachte.

So kam er an den Hafen.

Er machte mit seinem Vorhaben einen Matrosen bekannt, der sich auch seiner annahm und ihm versprach, sich für ihn beim Schiffs-Kapitain zu verwenden. Zwar macht unser Schiff, sagte der Matrose, die Fahrt nicht sogleich nach London, indem es erst mit voller Ladung nach Brasilien geht, von dort aber segeln wir ohne Aufenthalt nach London; es wird dir übrigens, mein Junge, nichts schaden, wenn du auch die Küste von Amerika siehst und zwar auf so billige Weise.

Da erblickte Karl einen Diener der Polizei, der an ihm vorüberging, als er mit dem Juwelier das Polizei-Gebäude betrat. Unendliche Angst ergriff ihn. Er bat den Matrosen, ihn doch sogleich mit auf das Schiff zu nehmen, da er bereit sei, die Fahrt nach Brasilien mit zu machen. Er befürchtete, dem Diener der Polizei in die Hände zu fallen, suchte deshalb so bald als möglich auf das Schiff zu kommen, ohne zu überlegen, welche Reise er antreten werde.