Der Matrose ergriff ihn bei der Hand und nahm ihn mit auf das Schiff. Dort stellte er ihn dem Kapitain vor.

Dich können wir schon brauchen, sagte der Kapitain zu Karl, aber sage mir, wie verträgt sich denn deine schmutzige Jacke mit der feinen Hose?

Karl betrachtete erst jetzt seine Jacke und gewahrte so den Unterschied zwischen Hose und Jacke.

Herr, sagte Karl, ein Wohlthäter hat mir die Hose geschenkt.

Wenn du sie nicht gestohlen hast, bemerkte der Kapitain. Nun sei dem, wie ihm wolle, fuhr er fort, ist er ein hergelaufener Bursche, so wird er doch nicht von unserm Schiffe laufen. Weise ihn zurecht! Jakob, wendete er sich hierauf an den Matrosen, und dieser entfernte sich mit Karl.

Sehr weh that es Karl, daß der Kapitain die Bemerkung über die Hose gemacht hatte.

Auch dieser, dachte er, hält dich für Einen, der sich dem Diebstahle ergibt; hätte ich vielleicht die Wahrheit gesagt, würde er die Bemerkung nicht gemacht haben; ich habe gelogen und wer lügt, der stiehlt auch. Der Kapitain mag mir wohl angesehen haben, daß ich ihm nicht die Wahrheit sagte, so mochte er auch wohl der Meinung werden, ich könne die Hose gestohlen haben.

Und wehmüthigen Herzens folgte er dem Matrosen, der besondere Zuneigung zu Karl gefaßt zu haben schien, denn er gab sich sehr mit ihm ab, unterrichtete ihn in diesem und jenem Geschäfte und war ihm mit Rath und That allzeit zur Hand.

Siebentes Kapitel.
Kummer im elterlichen Hause.

Als Aurelie vom Garten heimgekehrt war, ging sie niedergeschlagen in das Wohnzimmer und nahm ihre weibliche Arbeit zur Hand. Sie sah oft durch das Fenster hin nach der Straße, aus welcher Karl von der Wohnung des Forstmeisters aus kommen mußte. Sie wartete mit Sehnsucht auf die Ankunft ihres Bruders und da sich diese von Stunde zu Stunde verzögerte, wurde sie immer ängstlicher, daß sie ihre Beklommenheit nicht länger mehr zu verbergen im Stande war.