Da trat der Vater in das Zimmer. Wo ist Karl? fragte er. Und was ist denn mit dir? fuhr er fort, daß du so verstört aussiehst?
Ach, lieber Vater, sagte Aurelie, werde nicht ungehalten! Karl hat wieder einen schlimmen Streich verübt, allein ich bin die Veranlassung dazu, verzeihe also ihm und mir!
Und nun erzählte sie ihm die Geschichte mit dem Hunde im Garten und schloß mit den Worten: wäre ich selbst daran gegangen, den Hund von den Blumenbeeten und aus dem Garten zu treiben, so wäre der Unfug wohl nicht geschehen, den Karl mehr in der Uebereilung als mit bösem Herzen verübt hat. Sieh ihm also, lieber Vater, noch einmal nach und verzeihe ihm und mir!
Nein, meine Tochter, sagte der Vater, hier wäre Nachsicht am unrechten Orte; Karl hat sich schon so oft in diesem Punkte verfehlt, daß ich nur mit Grund befürchten muß, sein Herz verschließe sich für alle feineren Gefühle. Ich will ihn diesesmal nachdrücklich strafen.
Und welche Unannehmlichkeit für mich, daß der Hund gerade dem Forstmeister zusteht! Welche Ansichten muß der Mann von mir gewinnen? Wird er nicht denken, daß ich mich der Erziehung meines Sohnes gar nicht annehme? oder daß ich auf seine Bildung und Veredlung des Herzens nichts verwende? Wäre der Hund einem gemeinen Manne, so könnte ich den Mann abfinden und den Schaden so gut als möglich ersetzen, wie soll ich es aber hier anfangen?
Und nachdenkend ging er im Zimmer auf und ab.
Aber wo ist denn Karl? fragte er hierauf wieder.
Er ist auf meinen Rath zum Forstmeister gegangen, erwiederte Aurelie, um ihn um Verzeihung zu bitten und sich zu erkundigen, wie der Schaden wieder gut zu machen sei.
Das ist noch löblich, sagte der Vater, aber dessen ungeachtet wird ihm eine empfindliche Strafe nicht geschenkt.
Jetzt wurde Karl zurück erwartet, allein er erschien nicht. Der Abend kam herbei, ohne daß sich Karl einstellte. Ach Gott, sagte Aurelie von einer Ahnung ergriffen, Karl wird doch nicht in der Angst des Herzens einen weiteren unüberlegten Schritt gethan und sich entfernt haben?