Mit deiner Gelehrsamkeit! rief Karl und ohne sich um Justus Worte zu kümmern gieng er auf die jungen Dohlen zu, hob ein Junges auf und sagte: wie? du lebst ja noch? Und alsbald warf er dasselbe an einen Eichstamm, daß es hin ward. Er war eben im Begriffe, auch mit den andern Jungen es so zu machen, da näherte sich dem Knaben ein betagter Holzhauer, der aus der Ferne das Treiben Karls mit Unwillen bemerkt hatte.
Schämst du dich nicht, böser Bube, sprach er zu Karl, so mit den Thieren umzugehen, die der allgütige Vater im Himmel erschaffen hat? Hast du in der Schule nicht mehr gelernt und bist du denn so verwildert aufgewachsen, daß es dir gleichgültig seyn kann, ob du einen Stein oder ein Thier aus der Hand schleuderst? Ich sage dir, du böser Bube, eine schlimme Zukunft voraus, wenn du dich nicht besserst; denn wer leichtfertig Thiere quälen kann, der verhärtet immer mehr sein Herz und am Ende ist es ihm gleichgültig, ob er eine Katze, einen Hund oder einen Menschen quält oder foltert. Wärst du mein Sohn, so würde ich jetzt nicht anstehen, zum Frommen dieser übrigen Knaben und zu deinem eigenen Besten dir mit dem nächsten besten Haselstocke eindringlich die Lehre beizubringen, daß die Thiere zur Wohlfahrt der Menschen erschaffen seien, und daß sich der schwer wider Gott, den allgütigen Vater versündigt, der diesen Zweck der Thiere verkennt und sie quält und zu Tode martert. Kennst du denn den Spruch nicht, der da heißt:
»Quäle nie ein Thier aus Scherz,
Denn es fühlt wie du den Schmerz.«
Und nach diesen Worten wollte sich der wohlmeinende Holzhauer wieder an seine Arbeit begeben, aber Karl, auf den diese Rede keinen Eindruck gemacht hatte, rief ihm nach: Du Kahlkopf! was geht es dich an, wenn ich ein Dohlen-Nest zerstört habe?
Hiedurch wurde der Holzhauer aufgebracht und er war daran, den ihn beschimpfenden Knaben zu züchtigen, aber Karl geschwinder als er hatte seinen Drachen ergriffen und begab sich auf die Flucht.
Wem steht dieser Junge zu? fragte jetzt der Holzhauer die übrigen Knaben.
Und diese erwiederten: er ist der Sohn des Kaufmanns Daruff.
Der böse Bube, sprach der Holzhauer weiter gehend, der böse Bube scheint nichts von dem guten Herzen seines Vaters zu haben.
Die Knaben folgten jetzt der Richtung welche Karl genommen hatte, der Holzhauer ging wieder seiner Arbeit zu, als er Abends aber nach Hause kehrte, da begab er sich zum Knabenlehrer des Städtchens und theilte ihm getreu den Hergang im Walde mit; denn dachte er, schweige ich still, so ist es nur zum Nachtheil dieses Knaben, der erst die armen Thierchen zu Tode quälte und dann noch seinen Spott an mir hatte.
Folgt aber seinem Vergehen zur rechten Zeit die Strafe nach, so kann das nur heilsam für denselben seyn. Er sieht dann gewiß ein, wie schlimm er gehandelt hat und auf die Worte seines Lehrers wird er mehr geben als auf meine Aeußerungen.