Vater und Kind nehmen Abschied wie für die Ewigkeit.

Der Garde führt Binia im kalten, dichten Nebel durchs öde Dorf gegen die Alpen empor. Er redet herzlich zu der Schwankenden, die doch tapfer geblieben ist: »Und nun, Binia,« fragt er, »was für eine Bewandtnis hat es mit der furchtbaren Anklage, die gegen dich und Josi erhoben wird —«

Da beichtet sie dem alten Freund, wie sie dem Vater gebeichtet hat.

»Binia!« sagt der Garde stillstehend und faßt ihre beiden Hände: »Jemand anders als du könnte es mir nicht vorgeben, daß der betrunkene Thöni selber in die Glotter gelaufen ist — aber wenn es einen Menschen giebt, dem ich glaube, so bist du es, denn du hast, wo andere gestrauchelt wären, immer den Mut der Wahrheit besessen.«

Sie sehen sich in die Augen, der Garde und Binia. O, sie hat es wohl gefühlt, daß der Vater ihrer Erzählung nicht ganz vertraute, und nun ist sie endlich glücklich, daß wenigstens der Garde sie in ihrem tiefen Elend versteht.

Noch zuckt ein Strahl der Hoffnung, daß alles gut kommen werde, durch ihre Brust, da aber taucht Kaplan Johannes gespenstisch aus dem Nebel auf und lacht sein gräßlichstes Lachen: »Wir tanzen doch, Jungfrau — wir tanzen an den Weißen Brettern!«

Irrsinnige Gier lodert in seinen Blicken.

Ehe der Garde sich auf ihn stürzen kann, verschwindet er so rasch, wie er aufgetaucht ist, im Nebel.

Binia zittert und der Garde muß sie wohl oder übel noch ein gutes Stück begleiten.

Da dringt das helle Tageslicht durch das Grau — es liegt unter ihnen — eine blasse Sonne scheint durch weiße Wolken — über das Gebirge ziehen dunklere Streifen und Bänke her — es rüstet zum Schneien — aber in der Felsenhöhe winkt der sichere Hort.