Josi zählt. — »Jetzt.« — Es kracht. — Ein Donnerwetter geht durch die Felsen, als ob das ganze Gebirge stürzen müsse — jauchzend reicht Josi Binia die Hand: »Gott segne den neuen Lauf der heligen Wasser — die Blutfron ist gelöst!«
Ueber das Nebelmeer unter ihnen rollt der Hall und rollt zurück. — Der Rauch zieht an ihnen vorbei und durch das Thor herein, das sich geöffnet hat, glänzt ein Schein des Abendrotes, das über Tremis steht.
Mit wuchtigen Hieben glättet Josi die Stelle. Doch nach einiger Zeit sagt er zu dem Mädchen, das am Rand des Wassergrabens kauert und ihm bewundernd zuschaut: »Für heute Feierabend — Bini — dir zu Ehren.«
Da wird sie wieder etwas ängstlich: »O, Josi! — wir sollten fliehen. — Wir sind selbst hier oben nicht sicher — es ist mir, es geschehe Schreckliches in St. Peter!«
Sie drängt sich schmeichelnd und Schutz suchend an den strahlenden Mann.
»Fliehen! — Ich fürchte mich nicht vor denen von St. Peter. Und den Vater verlassen wir nicht, Bini.«
»O mein Vater, — mein armer Vater! — Nein — gelt, lieber Josi, wir verlassen ihn nicht! — Wir wollen wieder zu ihm niedersteigen,« fleht sie.
»Sieh, Bini,« antwortet er tröstlich, »wir haben einen geraden Weg, den müssen wir gehen: Bevor die Wasser laufen, scheiden wir nicht von den Weißen Brettern — bevor wir wissen, ob der Vater nicht doch mit uns kommen will, gehen wir nicht von St. Peter — und bevor ich mich nicht vor dem Gericht von jedem Verdacht wegen Thöni Grieg gereinigt habe, wirst du nicht mein Weib — dann aber Glück zu, mein herzlieber, reiner Tautropfen.«
Weich und demütig erwidert sie: »Dein Weg ist mein Weg, Josi!«
In weltferner Einsamkeit hoch über den Menschen halten sie Feierabend. Ueber dem grauen Nebel der Tiefe, der wie ein See in die Berge gegossen liegt, geht der Tag zur Rüste, sie sehen nicht und hören nicht, wie unter ihnen in St. Peter der Aufruhr braust, sie sehen auch die Sterne nicht, denn Schneewolken ziehen schwerer und schwerer über das Gebirg — zwischen lauter Wolken sind sie mit ihrer Liebe allein.