Josi hat von lange her eine Felsennische heimelig eingerichtet, da flackert jetzt ein Feuer, die Milch, die der pflichttreue Bonzi wie sonst heraufgeschafft hat, siedet im Topf; auf einem Teppich, der über eine Felsenbank gelegt ist, sitzt das Paar Wange an Wange und in der stillen Felsenheimlichkeit vergißt es die armseligen Menschen, die sich in den Qualen des Aberglaubens winden, und nichts bleibt ihnen bewußt als ihre starke Liebe. Alle Stürme sind zur Stille gekommen, die Seelen der Gehetzten ruhen in seligem Traum.
»Josi,« erbebt die Stimme Binias fein und weich, »eine alte Sage geht, daß über der Befreiung St. Peters aus der Blutfron eine Jungfrau sterben muß — sie hat mir meinen Gang zu dir schwer gemacht — aber jetzt ist mir, es wäre mir leicht, das Leben für dich und dein Werk hinzugeben!«
Und in unendlicher Treue hangen ihre Augen an ihm.
»Rede nicht so —, Bini,« erwidert er sanft, »nein, wir wandern ins Leben — du und ich — und wir wollen unserer Liebe im Frieden froh werden und schaffen, bis es Abend ist!«
»Ins Leben!« wiederholt sie traumhaft.
Er streichelt ihr dunkles Haar, müde läßt sie das Köpfchen an seine Brust sinken, lange Leiden fordern Auslösung, und sorglich bettet er die in einen bleiernen Schlaf Versunkene in die Felsenecke. — Das Feuerchen flackert und beleuchtet zwei Friedliche. —
Etwas Sonderbares weckt Josi aus seinem halben Schlummer. Ihm fehlt in der Morgenfrühe das leise Klingen der Glocke von St. Peter, und plötzlich erinnert er sich, daß er es auch am Abend nicht gehört hat. Nun wird er doch unruhig. Ist in St. Peter so Schlimmes geschehen, daß der alte Pfarrer seine Drohung wahr gemacht hat?
Besorgt zündet er in das Gesicht der schlafenden Binia. Sie lächelt innig im Traum und von ihren Lippen zittern die Worte: »Die Vögel, sie fliegen über Land und Meer.«
»Schlafe, armes Kind, das so viel erduldet hat, schlafe — das Rauschen der Wasser, das Schlagen des Hammers mag dich wecken.« Er geht leise davon, er schreitet sein Werk ab, im Schein der Lampe legt er da und dort noch Hand an, er setzt am äußeren Ende der Leitung das kleine zierliche Wasserrad ein, das den Merkhammer treiben soll.
Es schneit ruhig und feierlich, die Flocken fallen leis und weich ins Morgengrauen und tiefe Stille waltet ringsum. Da ist ihm doch, er höre Stimmen aus der Tiefe und klirrende Töne — aber so unbestimmt, daß er nicht klug daraus wird, was er hört.