Diese herrlichen Villeggiaturen, denen ich in oberitalienischen Landen nichts zu vergleichen wüßte, stellen dem Geschmack der reichen Görzer das beste Zeugnis aus. Was mir an ihnen besser noch als die Pinienschirme, die Palmenwedel und die Orangerien gefallen, das ist das Blust unserer nordischen Obstbäume, das im ersten Frühling auf die Kieswege dieser Gärten niederschneit. Görzisches Obst gilt bei den italienischen Feinschmeckern als ein Leckerbissen.

Auch der Arme von Görz muß sich nicht begnügen, zu sehen, wie der Reichen Gärten blühen; denn die Stadt, die nun einmal einen aufgeweckten Sinn für jedes mütterliche Lächeln der Natur bekundet, hat einen wunderschönen Volksgarten, nicht nur einen dünnbestockten Park mit ein paar krummen Wegen, sondern einen echten, wohlgepflegten, öffentlichen Garten von südlicher Üppigkeit. Wenn sich dazu auf der Stadtseite desselben der Blumenmarkt entfaltet, dann scheint für Görz allerdings kein Name passender, als derjenige einer Gartenstadt.

Wer wollte einen südlichen Blumenmarkt beschreiben? Der Name der Gewächse ist das wenigste; die schweren Düfte, die leuchtenden Farben, die sich in Worten nicht wiedergeben lassen, schon mehr; das wählende, prüfende, feilschende Menschenkind, das sein Leben mit Blüten und Grünem schmücken will, das meiste an seiner Poesie.

Wo die Blumen so herrlich gedeihen, wie in Görz, mußte man mit Naturnotwendigkeit zu der Frage kommen, ob da nicht auch dem verwelkenden Menschenkind ein neuer Lenz erblühe, das in den rauhen Klimaten nicht mehr fortkommen will. Görz ist klimatischer Kurort und – was nicht jede aufstrebende Stadt wagen würde – es stellt sich gleich neben Nizza. In manchen Dingen hat es das Wesen dazu, vor allem einen angenehmen, dem nordischen Frühling gleichenden Winter, der nicht einmal die Einstellung der Feldarbeiten bedingt, einen gemäßigten Sommer, von dem die reinen, frischen Gebirgswinde die italienische Schwüle fernhalten, eine herrliche Lage, welche nur wegen ihrer nackten, grauen Gebirgsrahmen hinter der Schönheit irgend eines südtirolischen Kurortes zurücksteht.

Jetzt fühlt es indessen die Flut und Ebbe eines zu- und abströmenden Fremdenkontingents noch nicht stark; der mehrsprachige Verkehr, die engen gesellschaftlichen Verhältnisse der Kleinstadt, das Bestreben, sie ganz in ein italienisches Kleid zu stecken, stehen einer raschen Entwicklung des Touristenverkehrs entgegen; denn wo immer der Mensch auch zu gesunden suche, verlangt er ein Stück lebhafter Geselligkeit, und der Deutsche, namentlich der Deutsch-Österreicher, an den sich der Kurort Görz wendet, ein ungebrochenes, gemütliches Volksleben, das er eben in der italisierten Stadt vermißt.

Ob sich nun der Traum eines »österreichischen Nizza« realisiere oder nicht, die gärtenumrahmte kleine Stadt wird jeder ihrer Besucher mit dem Eindruck lieblicher Schönheit verlassen.

Allein nicht minder freundlich als die Stadt selber steht mir ein Ausflug in ihre Umgebung, zum Isonzoschlund hinterhalb Salcano und eine Besteigung des Monte Santo, die ich später einmal unternommen, vor meinem Gedächtnis.

Ich streifte hinaus zu dem Totenacker von Görz und weiter gegen jenen nackten Felsenrücken, auf dem das Kirchenkastell des Monte Santo steht.

Dann kam ich nach Salcano. Es ist eine kleine Ortschaft von 1400 Einwohnern, mit zum Teil sehr alten, ansehnlichen Häusern, die sich am linken Ufer des Isonzo aufreihen, der hier perlend und wogend aus einer Gebirgsklause heraustritt.

Salcano ist die Mutter von Görz. Als dieses selber noch nicht in die Geschichte eingetreten war, blühte hier um die Wende des Jahrtausends ein Grafengeschlecht, das seine Burg auf den jetzigen Kastellhügel von Görz verlegte und damit Gründer der Stadt Görz geworden ist.