»Wo ist das Volk von Königen geblieben,
Das solche Häuser durfte bauen?«

Tausende von Skulpturen und eine Menge merkwürdiger Anticaglien, Nutz- und Schmuckgegenstände des altaquilejensischen Haushalts, haben im Innern des Museums ihre Aufstellung gefunden. Schon die Vorhalle bereitet mit ihren zahlreichen römischen und altchristlichen Grabsteinen, mit herrlichen korinthischen Kapitälen, mit einer prächtigen Sammlung schön geschweifter Henkelkrüge, Kolumbarien, die zum Teil noch die verbrannten Knochen enthalten, unsere Stimmung auf den Eintritt in die Museumssäle vor. Es ist nur zu bedauern, daß jene schöne Mosaik, welche die Entführung der Europa durch Zeus darstellt, zerbröckelt und unkenntlich geworden ist. Sie war so kunstvoll gearbeitet, daß sie als ein würdiges Gegenstück der berühmten Dariusschlacht galt, die man auf einem Fußboden zu Pompeji entdeckte.

Avete Caesares! – Der erste Museumssaal ist jenen Steindenkmälern gewidmet, die sich auf die römischen Kaiser und ihre Beamten beziehen, und fesselt besonders mit zwei fast vollständig erhaltenen Marmorstatuen das Kunstinteresse. Die eine derselben stellt in kühner, kräftiger Arbeit den Kaiser Tiberius dar, von dessen Haupt sich die Toga in herrlichem Faltenwurfe um den Körper drapiert; die andere ist das nicht minder schöne Bild des Kaisers Claudius. Man vermutet jedoch des eingesetzten Kopfes wegen, daß diese Statue erst Caligula, jenem Tollmenschen »memoriae damnatae«, der vom Jahr 37–41 auf dem römischen Thron gesessen, gegolten, und erst, als dieser in einer Palastrevolution fiel, das Haupt des Claudius erhalten habe.

Beide Statuen sind von mehr als Lebensgröße, wie denn die kolossalen Verhältnisse der in Aquileja gefundenen Marmorbilder ein hervorragendes Charakteristikum derselben bilden. Unter den über lebensgroßen Torsen interessiert besonders deswegen eine nackte, starkbewegte Männergestalt, weil die unfertige Statue jene Vertiefungen – Puntelli – an die sich der Künstler bei seiner Arbeit hielt, noch zeigt und uns so einen Einblick in die Bildhauertechnik des Altertums gewährt.

Der zweite Saal ist zum größten Teil eine Sammlung von Grabsteinen, die uns bald das Bild der Toten in Relief darbieten, bald mit kürzern und längern Inschriften von ihnen erzählen. So berichtet der eine von Cippus, dem Perlenhändler, der andere von dem Freigelassenen Sextilius Crescens, dem Fleischer. Hier hat ein antiker Salber einem kaiserlichen Haussklaven, dort ein Priester seinem Vorgänger, der 110 Jahre alt geworden war, ein frommes Andenken gestiftet. Der merkwürdige Grabstein des Afrikaners Restutus meldet, daß dieser die weite Reise aus seiner Heimat einzig deswegen unternommen habe, um Aquileja, die herrliche Stadt, zu sehen, daß er eine Weile da gelebt und von einer Bestattungsgesellschaft begraben wurde.

Nun kommen wir in hohe Gesellschaft. Im dritten Saal schauen die lichten Gestalten des Olymps, Jupiter, der Vater der Götter und Menschen, im Schmuck des langwallenden Haupthaars und Barts, Merkur, der Gott mit geflügeltem Hut, dessen Gunst sich Aquileja so lange erfreute, der schmiedende Vulkanus, Mars mit reichverziertem Helm und Federbusch, Venus, die meergeborne Göttin mit dem Perlendiadem aus großen Medaillons auf uns Sterbliche nieder. Auf einem Grabstein spielt der efeubekränzte Silenus die Leier, und Pan, der friedliche, bläst auf der Hirtenflöte. Die Statue Neptuns, des meerbeherrschenden Gottes, ist leider nur noch ein Torso. Einem Marmorbild der Venus, die in der Stellung der medizäischen zu Florenz dargestellt ist und durch sorgfältige Ausführung und edle Verhältnisse eines der herrlichsten Stücke der Sammlung bildet, fehlt leider das Haupt. Ein allerdings entzückend schöner Venuskopf, der auf einer nahen Säule aufgestellt ist, entschädigt nicht ganz für das fehlende.

Ein Gefühl des Mitleids mit den verstümmelten Bildern will sich in die Seele des Beschauers schleichen; denn, wenn auch gebrochen, sind sie doch nicht tot, sondern reden kraft der ihnen innewohnenden Schönheit mächtig zu seinem Gemüt.

Verlassen wir nun die Säle, in deren Bildwerken sich die Künstlerschaft der antiken Meister noch in den Fragmenten so achtunggebietend offenbart, und treten wir in die Räume, wo die Anticaglien, jene zumeist in den Gräbern gefundenen zierlichen Werke der Kleintechnik hinter Glas und Rahmen liegen. Sie sind in ihrer Art nicht weniger interessant als der Marmorprunk der durchwanderten Gemächer.

Eine Menge dieser kleinen Sachen führt ins altaquilejensische Haus. Es sind bronzene Nägel und Nadeln, Griffel, die zum Schreiben auf die Wachstafeln dienten, Zirkel, Lote, Schnellwagen, Gewichte, Schlüssel, und einige Messer da. Besonders schön ist eine Sammlung arretinischen Tischgeschirrs aus korallenrot gefärbter Terrakotta, die mit ihren zierlichen Reliefs in den Oberflächen gewiß einst den Stolz eines tafelfreudigen Aquilejensers gebildet. Tonplatten, welche in erhobener Arbeit Szenen aus der Mythologie oder dem täglichen Leben darstellen, schmückten, ähnlich wie unsere Gemälde, die Zimmerwände. Mannigfaltig ist die Ausstellung von Tonlampen, die, selten eines Reliefschmuckes entbehrend, bald zierliche Traghenkel, bald eine Einrichtung zum Aufhängen zeigen und manchmal für mehrere Dochte zugleich eingerichtet sind.