Als wir am Strand von Belvedere nach nicht viel mehr als einstündiger Fahrt ankamen, versank die Sonne rotgolden und groß in der venetianischen Tiefebene; als die stillen Straßen Aquilejas vom Hufschlag unserer Pferde widerhallten, hatte sich der Sternenschleier der südlichen Nacht über den dämmernden Dom und den riesengroßen Campanile gespannt; als wir durch die furlanische Campagna nordwärts flogen, da stoben lichte Schwärme von Leuchtkäfern in Büschen und Bäumen auf und erloschen im Campagnenwald, und als wir in Monfalcone ankamen, tanzte beim Klang der Trompete und den leidenschaftlichen Tönen des Fagotts noch das junge Volk unter den Kastanienbäumen. Qualmende Lichter warfen ihre Strahlen auf die Gruppen; in geröteten Gesichtern und in funkelnden Augen lag Liebesglut und Feuer des Südens.
Im Frühling von Miramare.
Wenn die junge Süderde im Lenzgeschmeide prangt, wenn es in den adriatischen Gärten blüht und duftet, dann pilgert der Naturfreund Triests hinaus zu dem Marmelschloß von Miramare, das in sonniger, märchenträumender Schönheit am innersten Golfe der Adria prangt.
Gedenk ich jener Stunden, wo ich im blühenden Burgfrieden von Miramare die stillen Parkwege gewandelt, so kommt wieder der ganze Zauber jener Meerlandschaft, zu der sich wie im Heimweh nach der mütterlichen Flut der Karst, der dunkle Tarnovanerwald und die julischen Alpen mit ihren leuchtenden Berggesichtern niederdrängen, über mich.
Es ist von Monfalcone nach Miramare fünf Stunden Wegs um das innerste Golfrund der Adria. Sie bieten dem Wanderer das Schönste, was im Bereich dieses Meeres liegt!