Napoleon zog vertragsbrüchig Truppe um Truppe aus Mexiko zurück, und nach vergeblichen Versuchen, Maximilian zur Abdankung zu bewegen, überließ er ihn seinem Schicksal.

Eine Weile schien es, als wollte Maximilian, den Tatsachen weichend, ernstlich den Rückzug vor den immer mächtiger vordringenden republikanischen Heeren vorbereiten; allein auf diesem Rückzug ereilte ihn in einer einsamen Hazienda bei Orizaba eine Depesche, welche ihm über das Schicksal seines Weibes Aufschluß gab.

Niemand weiß nun recht, was im Hirn und Herzen des unglücklichen Kaisers vorging; genug, Maximilian kehrte um die Jahreswende 1866/67 in die Hauptstadt Mexiko zurück, und am 15. Mai erreichte ihn, von den republikanischen Heeren bis an die Grenze des Landes hinausgedrängt, zu Queretaro das Verhängnis. Von Oberst Miquel Lopez, einem Verwandten des Marschalls Bazaine, um 10 000 Pesos verraten, gab Maximilian, nachdem er das letzte Bollwerk, den Cerro de las Campanas, mit einem Häuflein getreuer Österreicher verteidigt, den Degen ab und war der Kriegsgefangene der Republikaner.

Ein Kriegsgericht von sieben Mann sollte über das Los des Gefangenen entscheiden; die europäische Diplomatie tat alles, um ihn zu retten; selbst Juarez, der feindliche Anführer, wollte großmütig das Leben Maximilians schonen. Allein der Fluch des Oktoberdekrets fiel auf seinen Urheber zurück. In der Mitternacht des 14. Juni wurden Maximilian I. und zwei seiner Generäle von dem republikanischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt.

Vier Tage später stand in der Morgenfrühe auf dem Cerro de las Campanas ein Truppenviereck und in dessen offener Seite Maximilian mit seinen zwei Generälen.

Nachdem der Kaiser seinen letzten Besitz, eine Hand voll Geld, die er bei sich trug, durch einen Unteroffizier hatte verteilen lassen, rief er: »Möge mein Blut das letzte sein, welches für das Vaterland geopfert wird … Es lebe Mexiko … Auf die Brust! Zielt nach dem Herzen! Zielt gut! … Arme Charlotte!«

Unter dem Knattern der Gewehre, dem Wirbeln der Trommeln, dem Klang der Hörner und unter den freudigen Rufen der Mexikaner: »Freiheit und Unabhängigkeit!« sanken die drei Männer auf den Grund …

So starb Maximilian I. Ein Schrei der Entrüstung ging durch Europa; aufrichtig betrauert aber und nicht vergessen hat man Max nur an der Adria, im Küstenland.

Seit er an jenem schönen Aprilmorgen auszog ins Kaiserelend, steht das Lustschloß vereinsamt und verwaist. Selten, und immer nur für wenige Tage, kehren die Glieder der kaiserlichen Familie in die luxuriösen Hallen ein; es scheint ihnen nicht wohl zu sein in den duftschwülen Gärten am Meer.

Dafür wallt in blühender Sommerszeit der Naturschwärmer und Künstler Triests zum Lustschloß Miramar.