So kommt die Nacht, die laue Südnacht mit ihrem Sternbrevier. Von Triest her flammen tausend Lichter; der Leuchtturm spielt mit seinen wechselnden Signalen; doch schon beginnt
»Den Osten Mondlicht zu erhellen,
Und zitternd funkelt's auf den Wellen.
Still wird's auf weitem Meeresplan,
Und rauschen hört man nur den Kahn.«
Triest.
Wenn man von Venedig kommend bei Monfalcone den innersten Busen der Adria umfährt, dann schimmert an der östlichen Küste blendend weiß, wie der Leib eines schönen Menschen, der zum Bad ans Meerufer niedergestiegen ist, die Stadt Triest. Im Halbzirkel baut sie sich vom lachenden Golf zum Kastellhügel und malerischen Uferhöhen empor. Olive und Lorbeer haben die Unfruchtbarkeit des Karstgesteins besiegt und schlagen mit herrschaftlichen Gärten einen üppig grünen Rahmen um das glänzende Stadtbild.
Von ferne könnte man glauben, alle Häuser seien von Marmor; kommt man aber hinein, so sind sie kaum anders als irgend sonst wo in einer großen Stadt; mächtig und prächtig, an die schönsten Plätze von Wien oder Paris erinnernd im neuen Teil, der das Vorland zwischen Küstenhang und Meer bedeckt, klein, düster und elend in der Altstadt, deren Straßen sich eng und steil von der Zitadelle zum neuen Stadtteile hinunterziehen. Doch hat Triest etwas Besonderes, was manch größere Stadt nicht hat, nämlich einen hochragenden Mastenwald vor seinen Häusern.