Als das Schiff bei Anlaß des russisch-türkischen Krieges im Jahre 1878 nebst anderen Lloyddampfern von den Russen zum Militärtransport gemietet war, faßte es, wie mir Herr Rossi erzählte, 3500 Mann, also die Bewohnerschaft einer kleinen Stadt.
Eine Maschine treibt mit der Kraft von 2000 Pferden dieses gewaltige Haus von einem Ende der Welt zum andern, daß es leicht und schön einherzieht wie ein über die See hinschwebender Riesenaar.
Jetzt war diese Maschine zerlegt. In einem elf Tage andauernden Sturme im indischen Ozean, während dessen selbst an den Wogengang des Meeres gewöhnte Matrosen eine Beute der Seekrankheit wurden, hatte sie sich überarbeitet. Doch sollte das Schiff schon in vierzehn Tagen wieder in die See stechen.
»Auf Matrosen, die Anker gelichtet,
Segel gespannt, den Kompaß gerichtet,
Liebchen, ade!
Morgen, da geht's in die wogende See!«
So singt das deutsche Lied; allein der Seemann, wenn er vom heimischen Strande fährt, singt nicht. Auch er in seinem großen Kasten empfindet sein Handwerk als einen Kampf ums tägliche Brot und beneidet den Arbeitsmann zu Land, der nach getanem Tagewerke wenigstens ein Heim hat, wo er im Kreise seiner Lieben und auf fester Erde ruht. Den Seemann wiegt die falsche Woge, und nur ein Brett scheidet ihn vom Tode.
Als wir auf der Steuermannsbrücke des Schiffes standen, hatten wir einen reizenden Blick über die Bucht, an welcher das Arsenal gelegen ist, auf Muggia, eine kleine, altertümliche Stadt, und gegenüber auf einer hügeligen Landzunge, auf die benachbarten Schiffswerften von San Rocco und das großartige Etablissement Strudthoff, wo man die stolzen Panzerschiffe der österreichischen Kriegsmarine baut, auf uralte Burgen, die im Hintergrunde der Bucht wie Geierhorste an den felsigen Küstenwänden kleben, und auf das sich freundlich im Golfe spiegelnde Servolo. Dieses hat seinen Namen vom Schutzpatron der Stadt Triest bekommen, der dort als seltsamer Grottenheiliger gelebt haben soll.
Nachdem wir unsern Rundgang durch das Schiff beendet hatten, führte mich Herr Rossi in die Werkstätten des Lloyd, in welchem 2000 Arbeiter beschäftigt sind. Ein paar Dutzend derselben krabbelten eben wie Ameisen an den Rippen eines auf der Werfte im Bau liegenden Ostindienfahrers und nieteten die Wandplatten fest.
Ich habe später die nicht minder interessanten Werkstätten des österreichisch-ungarischen Kriegshafens zu Pola gesehen. Da der Eindruck, den der Fremde hier und dort empfängt, wesentlich der gleiche ist, will ich mir die Schilderung eines Marine-Arsenals für jene Gelegenheit aufsparen.
Nur das sei noch anerkennend erwähnt, daß der Lloyd in der Nähe seiner Werkstätten freundlich auf das Meer ausblickende Arbeiterhäuser hat, die zum Besten gehören, was ich in dieser Art im südlichen Österreich entdeckte.