Eine lebendige Berühmtheit haben aber diese istrianischen Städte doch und besonders auch Pirano, schöne Frauen.

Glücklicherweise braucht man nicht die engen, halsbrecherischen Gassen, die sich von der Höhe zum Meer hinunterziehen, empor zu klettern, um die hübschen Mädchen Piranos zu sehen; denn zweimal im Tag, um neun Uhr, wenn der Küstendampfer von Triest, und um drei Uhr, wenn derjenige von Pola im Hafen anlegt, eilt, wer immer im Städtchen Zeit hat, auf den Molo.

Das ist der Korso der istrianischen Kleinstädter. Schöne Frauenbilder, die Zenda, ein schwarzes Kopftuch mit reicher Spitzengarnitur, malerisch ums Hinterhaupt geschlagen und um die Schultern gewunden, ergehen sich auf demselben sich selbst zur Freude und den andern zur Augenweide. Es sind darunter Madonnengesichter, so rein und schön, wie diejenigen in den goldenen Rahmen der Pinakotheken; aber ich habe neben diesen auch andere wandeln sehen, wo die Not, das Elend, die Leidenschaft tiefe und unschöne Linien in ihr Antlitz gegraben hat.

Die Hafenszene, die sich nach der Ankunft eines Schiffes in einer istrianischen Küstenstadt entwickelt, dieses laute, geschäftige Treiben hat für einen Fremden so viel Reiz, daß ihm die Viertelstunde, welche über dem Ein- und Ausladen der Waren verstreicht, rasch vorübergeht, besonders wenn er sich von einem italienischen Barfüßele den »vino nostrale«, den schwarzen, feurigen Landwein, kredenzen läßt. Mein genügsamer inländischer Gesellschafter nahm bescheiden mit der »acqua fresca«, vorlieb, das eine stämmige kroatische Bäuerin aus zwei Kübeln servierte, die sie an einem Holzbogen über der Schulter trug; andere knackten zur Kurzweil die »bianche, belle noci« eines aus Leibeskräften schreienden Jungen.

Die Fracht der istrianischen Küstenfahrer besteht zumeist aus vollen oder leeren Weinfässern, die oft den Platz auf dem Verdeck derart beschränken, daß der Reisende froh sein muß, wenn er innerhalb dieser Faßbarrikaden ein halbwegs bequemes Plätzchen für sich selber findet. Daneben bilden Kübel und Kisten, in welche frische oder »à la mode de Nantes« zubereitete Sardellen verpackt sind, einen Haupttransport. Die kleinen Fische, deren Züge im Becken des Mittelmeeres für die fehlenden Häringe einigen Ersatz bieten, werden in der Adria zu Millionen und Millionen gefangen und in den Sardellenfabriken von Barcola, Isola, Rovigno zum Versand zubereitet.

Um die äußerste Westspitze von Istrien, die Punta Salvore, zu erreichen, durchquert das Schiff die Bucht von Sicciolo. In ihrem Hintergrund liegen zu Füßen einer schroffen Küste die Salzgärten von Pirano, die durch eine Reihe weißer, schimmernder Sudhäuser angedeutet sind. Die ganze Anlage bedeckt einen Raum von 600 Hektaren und hat über 7000 Salzgärten, die jährlich eine halbe Million Meterzentner dieses Minerals liefern. Man läßt das Meerwasser in größere Becken strömen, wo ein Teil desselben innerhalb einiger Tage verdunstet. Die derart erhaltene Sole wird durch ein Schleusensystem in die Salzkammern geführt. Da schlägt sich unter dem Einfluß des Sonnenscheins das Salz, das nachher in den Sudhäusern noch einem letzten Trocknungsprozeß unterworfen wird, als weiße Kruste nieder.

An der Punta Salvore steht ein Leuchtturm, ein prächtiger Bau, und hinter ihm liegt, soweit das Auge schweift, eine klippige, flache Küste, über welche das mattglänzende Laub endloser Ölwälder flimmert.

»Sie kennen wohl die Geschichte des Kaisers Barbarossa?« sagte mein Gefährte.

»Des Hohenstaufen, der so viel in den italienischen Landen gekämpft hat«, antwortete ich zum Zeichen meines Verständnisses.