»Ich kann Ihnen mehr sagen«, erwiderte er; »er hat an der Punta Salvore gekämpft, hat da eine Schlacht verloren und einen Sohn dazu.«

»An wen?«

»An den Dogen zu Venedig.«

»Wann?«

»Es ist so lange her, daß es wohl niemand mehr weiß.«

Ich erfuhr nachträglich, daß es am Himmelfahrtstag 1176 war, als der Hohenstaufe Otto, an dessen Seite auch die Genuesen und Pisaner gekämpft, nach unglücklicher Schlacht in die Hand des Dogen Ziani fiel.

»Etwas anderes kann ich Ihnen auch noch sagen, junger Herr«, nahm mein Gesellschafter nach einigem Stillschweigen das Wort wieder auf. »An der Punta Salvore ist schon manches Weib eine Witwe geworden. Ich habe es selbst mitangesehen, daß im Süden des Kaps die See so ruhig lag wie ein schlafendes Kind und – maladetta – im Norden, da hat das Meer gestürmt, ich sage nichts; aber ein Schiff ist bald hin. Wer den Hafen von Pirano nicht erreichen kann, der sehe, wo er sich birgt. An allem ist die Bora schuld, deren Macht sich hier an der Punta Salvore bricht. Jenseits hat sie keine Gewalt mehr.«

Heute lag die blaue Adria so wonnig, sonnig da, als könnte sie niemandem, selbst keinem armen, braunen Fischerknaben ein Leid antun. Aus ihrem Spiegel schnellten die spielenden Delphine empor und verfolgten sich und tummelten sich wie die jungen Menschenkinder im Haschespiel. Die letzten Alpengipfel, die bis dahin ins Meer hinaus geleuchtet, waren im Dunst des nördlichen Horizonts dem Auge entschwunden, und der schmale Küstenstreifen, der dem Blick noch blieb, war ein Nichts gegen das weite, wunderschöne Blau des Meeres, über das fernher die weißen Segel einiger Fischerflotillen wie gewaltige Vogelschwingen schimmerten.

Die Fahrt von der Punta Salvore gegen Süden ist einförmig. Die flache Küste mit ihren verwaschenen Klippen und dem rauhen Karstgrund tritt mehr und mehr gegen Osten zurück, sendet aber von Ort zu Ort wieder eine felsige Landzunge in die See. Die Buchten zwischen diesem flachen Vorgebirge sind so tief, daß dort kein Schiff ankern könnte, obwohl die Adria im Bereiche der istrianischen Küste nur eine Tiefe von 36–40 Metern, also nicht einmal diejenige der meisten Alpenseen, aufweist.

Nach einstündiger Fahrt von Pirano erreichten wir etwas vor zehn Uhr Umago, ein kleines Städtchen mit einem geräumigen Hafen, von welchem aus ein ziemlich lebhafter Holzhandel nach Venedig getrieben wird. Es ließe sich von Umago gar manches aus allerlei Nöten erzählen, von Krieg und Pest, von Wassersnot und Erdbeben, insbesondere auch von einer Bodensenkung, welche einen Teil des Städtchens in die Wellen begrub, wo man an klaren Tagen jetzt noch die Mauerreste sieht.