Waffen; allein wo das Torpedo, die furchtbarste Wehr zur See, bereitet wird, da führt man keinen Uneingeweihten hin.

Wer sich nicht ganz vom Militärevangelium der Gegenwart den Verstand hat berauschen lassen, hat ohnehin genug gesehen. Ein Protest gegen den Krieg, die vom Staat und dem Patriotismus geheiligte, von den Dichtern verherrlichte, große Menschenschlächterei geht an diesem Orte, wo ohne Unterlaß die Werkzeuge zum Massenmord bereitet werden, durch seine Seele.

Doch sieh, da sind wir ja aus dem sinnbetäubenden Rasseln und Dröhnen der rußigen Werkstätten in ein friedliches Asyl, in eine große Schneiderwerkstätte gekommen. Das ist der Saal der Segelmacher, wo man den schweren Kriegsdampfern die leichten Schwingen zurechtschneidet, für die hochragenden Masten die rot-weiß-rot gestreiften Kriegs- und für den Manövrierdienst die verschiedenfarbigen Signalflaggen zusammensetzt. Man könnte bei dem Anblick der vielen farbigen Tücher, der bunten Nationalbanner aller Seemächte, fast auf den Gedanken kommen, daß hier die Kostüme für eine große Maskerade oder die Wimpel für ein Fest vorbereitet werden. Es ist aber alles blutiger Ernst!

Am chemischen Laboratorium vorbei, wo man die Sprenggeschosse füllt, kommen wir ins Aus- und Abrüstungsmagazin, in dessen Kammern jene unzähligen Gegenstände in Depot liegen, deren ein Schiff, um segelfertig zu werden, bedarf. Hier liegt auch jenes Boot aufbewahrt, in welchem die Nordpolfahrer Weyprecht und Payer mit ihren Gefährten im Jahre 1874 nach zweijährigem Aufenthalt im äußersten Norden den schwierigen Rückzug nach Novaja Semlja ausführten, als das Expeditionsschiff »Tegethoff« in eine Eisscholle eingefroren unrettbar nach Norden trieb. Sechsundneunzig Tage brachte die Mannschaft mit ihren braven Führern, die das Franz-Josephs-Land entdeckt, in dem kleinen Fahrzeuge zu, bis die immer südwärts Steuernden an der Küste von Novaja Semlja einen russischen Schooner entdeckten, der sie in den Hafen Vardóe in Schweden brachte.

Ein Blick noch auf die gewaltigen Vorräte von Mastenholz, jene geschundenen Riesentannen des Alpenwaldes, die sich auf dem Meer in Heimweh härmen, ein Blick noch auf die Bootswerfte, wo die kleinern Schiffe gebaut werden, und wir wanderten längs des im Abendschein vergoldeten Meeres allmählich zurück, hier rasch ins Ketten- und Ankermagazin tretend, dort das Bootsmagazin musternd, wo eine Menge kleinerer Fahrzeuge über und nebeneinander aufgeschichtet liegen, bis zu dem gewaltigen Scherenkrahn, der von anständiger Kirchturmshöhe ist und Lasten von über tausend Zentnern Gewicht auf die Kriegsschiffe überträgt. Nicht weit davon ist die gewaltige Kesselschmiede und der Maschinensaal mit einem Anhang weitläufiger Nebenwerkstätten.

Die Uhrenfabrikation und der Schiffsbau bezeichnen zwei Pole der Industrie. Dort müht sich der Arbeiter mit der Loupe an dem kleinsten, hier mit dem dampfgetriebenen Krahne an dem größten mechanisch Darstellbaren.

Hier geht alles ins Kolossale. Der Arbeiter ist im Vergleich zu den Maschinen, an denen er hantiert, eine Ameise, während die Hämmer, welche die Panzerplatten schmieden, die Werkzeuge von Kyklopen zu sein scheinen. Staunend schaut der Fremde eine Weile in das tosende, riesenhafte Getriebe; dann wendet er sich gern wieder ab. Es liegt etwas Übermenschliches, an den Vulkanmythus Mahnendes, etwas Beängstigendes in diesen donnernden, sausenden, singenden und ächzenden Kolossalmaschinen.

Ich atmete auf, als ich wieder draußen auf der Hafenstraße von Pola stand. Sie war reich belebt von spazierenden Militärs. Ich ließ mich ohne Rast zum Scoglio olivi hinüberstoßen, wo in zwei weiten eisernen Hallen die Werften für den Kriegsschiffbau liegen. Ein Kriegsschiff war nicht im Baue; hingegen lag auf einem der beiden Trockendocks ein Panzerschiff in Reparatur und glich, wie es da außer Wasser stand, einem gestrandeten Walfisch.

Der augenfällige Unterschied zwischen einem Handels- und einem Kriegsschiff besteht darin, daß die schwimmende Festung statt der vielen Kajütenfenster nur eine Reihe viereckiger Öffnungen zeigt, durch die ebenso viele Kanonenmündungen blitzen, und daß auf dem Deck ein oder zwei drehbare Panzertürme, runden Kesseln nicht unähnlich, mit Schießlucken stehen. Wirklich schwer gepanzert ist es nur etwa zwei Meter über und unter der Wasserlinie und da, wo die Werke zum Drehen der Türme stehen.