Das Balancedock ist ein ungeheurer Kasten, der wie ein Schiff auf dem Meere schwimmt, aber durch Einpumpen von Wasser derart versenkt werden kann, daß das größte Kriegsschiff zwischen seinen Seitenwänden einfahren kann, worauf das Schiff durch das Auspumpen des Wassers im Dock ins Trockene gehoben wird.
Nicht minder merkwürdig ist der »Zyklop«, ein Werkstättenschiff, welches die Arbeitsräume und Maschinen für die Reparatur der Marineboote enthält. Es ist ein schwimmendes Arsenal, welches ein in die See stechendes Geschwader begleiten kann.
Der Tag ging zur Neige, als ich meinen Gang durch das Arsenal beendet hatte. Um von dem Städtchen noch etwas zu sehen, verzichtete ich auf eine Kahnfahrt nach dem Kriegshafen, wie sie mir mein Führer vorgeschlagen hatte; ich begnügte mich, den grauen, stählernen Ungeheuern mit den Kanonenmündungen von ferne meine Reverenz zu erweisen.
Während mich der Führer zurückruderte, genoß ich den reizenden Anblick des sich an den südlichen Hügelstufen emporbauenden Stadtbildes von Pola.
Der Ort selber ist uralt; denn unter dem Namen Pietas Julia blühte hier eine römische Kolonie, und im Mittelalter beherrschten von hier aus die Markgrafen von Istrien ihr Land; aber in gewissem Sinne ist es doch der Benjamin der istrianischen Städte. Nachdem es im 13. und 14. Jahrhundert bald von den Venetianern, bald von den Genuesen verwüstet und im 17. von der Pest entvölkert worden war, so daß es kaum mehr ein halbes Tausend Einwohner zählte, ist es erst durch Anlage des Kriegshafens und zum großen Teil auf Kosten der istrianischen Schwesterstädte wieder ein Gemeinwesen von einiger Bedeutung geworden und zählt gegenwärtig etwas über 10 000 Einwohner.
Seine Geschichte bringt es mit sich, daß sich in der Stadt Altes und Neues aufs wunderlichste mischen, daß fast an jedem Plätzchen eine alte Historie klebt.
Hier sollen Jason und Medea auf ihrer Flucht vor den Kolchiern gerastet, dort die schöne Cenide mit dem jugendlichen Vespasian einen erotischen Roman durchlebt haben; am dritten Ort zeigt man die Stelle, wo am Charfreitag 1271 die Familie der Sergier, die als erbliche Generalkapitäne die Stadt verwalteten, vom Volke meuchelmörderisch niedergemacht worden ist.
Vielleicht die interessanteste dieser Erinnerungen aber hat der Ort da, wo jetzt mit leuchtender Front die Infanteriekaserne auf den Golf herniederschaut; denn hier stand im Altertum ein Venustempel, im Mittelalter ein Nonnenkloster, jetzt also eine Militäranstalt.
»Und aber nach fünfhundert Jahren,
Als ich desselbigen Wegs gefahren« – – –
Kann man sich eine lebendigere Illustration zur Sage von »Chidher, dem Ewigjungen«, denken?