Auf einem Hügel oberhalb der Kaserne erhebt sich das alte venetianische Kastell, und nicht weit davon steht eines der sehenswertesten Altertümer: die zierliche Triumphpforte, welche Salvia Postumia ihrem Gemahl, dem Tribunen Servius Lucius, und dessen Verwandten errichtet hat. Das vollkommen freistehende, von einem prächtigen Rostton überzogene Denkmal gehört mit seinen paarweise geordneten korinthischen Säulen und dem stark vortretenden, von etwas Strauchwerk umwucherten Gesimse der besten Zeit römischer Baukunst an.
Ebenso schön ist ein anderes ganz in den Häusern verstecktes römisches Denkmal: ein eleganter Tempel des Augustus und der Roma, ein wunderbar wohlerhaltener Bau, obgleich er unter den wechselnden Besitzern von Pola schon als Kirche und als Kornkammer gebraucht wurde. Noch liest man an dem Fries der von sechs korinthischen Säulen gebildeten Vorhalle die Widmungsinschrift »Patri Patriæ«, und die zierliche Ornamentik des Giebels hat durch den Verwitterungsvorgang von fast zwanzig Jahrhunderten – der Tempel wurde im Jahre 8 gebaut – nicht wesentlich gelitten.
Neben diesem 13 Meter hohen Bau stand im Altertum ein anderes Heiligtum, der Tempel der Diana, von welchem aber nur die Rückseite auf uns gekommen ist; denn in seine Vorderseite hinein ist nicht ohne Geschick das Stadthaus von Pola, ein anmutiger Palast in maurisch-gotischem Stil, gebaut worden. Vor seiner Parterreloggia liegt der Hauptplatz von Pola, das antike Forum.
Vom Triumphbogen der Sergier zieht sich die mit Kastanienbäumen besetzte Ringstraße um das Kastell her gegen den innersten Teil des Hafens und gegen das Amphitheater hinab.
Dieses kann sich zwar an Größe mit demjenigen von Verona nicht messen; denn die Maßverhältnisse sind fast ein Drittel geringer als am »Haus Dietrichs von Bern«; immerhin beträgt die Länge seines Ovals 120, die Breite 96 Meter und sein Raum faßte über 20 000 Personen. Von all den Arenen des Südens ist sie die einzige im Außenbau erhaltene, während man freilich, um ein Bild ihres ausgeplünderten Inneren zu gewinnen, das Bild des Amphitheaters an der Etsch zu Hülfe nehmen muß.
Da die Arena, die von der alten römischen Gemeinde um das Jahr 200 zur Auslösung eines Gelübdes und zu Ehren der Kaiser Septimus Severus und Caracalla aufgeführt wurde, am Abhange eines Küstenhügels steht, so verkürzt sich der Bau von der Golfseite gegen hinten um die ganze Höhe der untersten Bogenreihe, während am zweiten Stockwerk die 72 Bogen recht schön zur Darstellung kommen. Über den viereckigen, fensterartigen Ausschnitten des dritten Stockwerkes krönt eine Steingalerie den 24 Meter hohen Bau, an welchem vier turmartige Anbauten eine besondere Eigentümlichkeit bilden.
Als ich auf dem Hügel über dem Amphitheater stand, erhaschte ich eben noch die letzten Strahlen der scheidenden Sonne, die herrlich durch die öden Räume des gewaltigen Baues fluteten. Dann versank das purpurne Gestirn in der fernen See; die Dämmer woben über dem Hafenrund von Pola.
Ich setzte mich auf den kurzen Rasen des Hügels, und im Anblick des dunkeln Ruinenkolosses sah ich, als hätten sich die Zeiten um mehr denn anderthalb Jahrtausende zurückgedreht, ein seltsam Bild.
Römische Männer und Frauen schritten in Toga und Palla zu den vier Toren der Arena. Auf den Galerien plauderte viel müßiges Volk: Kriegsleute, Freigelassene und Sklaven, und unter Trompetenklängen kam von der Pietas Julia die Schar der Gladiatoren gezogen. Nun scholl auf zur Loge, wo im Purpurgewand mit müdem Lächeln der junge Kaiser saß: »Ave Caesar, morituri te salutant!« »Sei gegrüßt, Cäsar, die Todbereiten grüßen dich!« »Hie Hyplomachos, hie Thraker.« Nun ein erstes Scheingefecht, dann heller Schwertesklang! Der Thraker sinkt in die Kniee und hält um sein Leben bittend die Hand empor. Allein das Volk will Blut sehen. Der Hyplomachos gibt ihm unter dem wilden Jubel der Zuschauer den Todesstoß. Noch haben kaum die Angestellten den zuckenden Leichnam versenkt,
»Da speit das doppelt geöffnete Haus
Zwei Leoparden auf einmal aus.«