Ich kam nicht weiter mit meinem Schiller …
»Guten Abend, mein Herr, darf ich Sie um etwas Feuer bitten?« sagte jemand im feinsten Deutsch zu mir. Ich schnellte aus meinen Träumen und von dem Rasenlager empor, und vor mir stand ein hagerer, fadenscheiniger Mensch.
»Bitte, bedienen Sie sich.« Allein der Mann sah mich nur mit einer Art stummen Jammers an. »Gnädiger Herr«, sagte er dann, »um Gotteswillen, bezahlen Sie mir und meiner Frau ein Abendbrot; wir sind deutsche Schauspieler und heute sechs Stunden über das Land gewandert; aber gegessen haben wir nichts. Erst müssen wir spielen, dann können wir essen. – Mein Gott, was ist das für ein Spielen, wenn man vor Hunger zusammenfällt!«
»Wir wollen sehen«, sagte ich und ging mit dem armen Teufel gegen den Quai hinunter, als aus dem Schatten der Arena ein junges Weib hervortrat.
»So haben wir uns nicht getäuscht«, sagte sie, auf uns zutretend; »der gnädige Herr will etwas für uns tun.« Meine Hand ergreifend, wollte sie dieselbe küssen.
»Leutchen, aber wie kommen Sie denn überhaupt dazu, mich so zu überfallen?« fragte ich halb abwehrend, halb von den erwartungsvollen Gesichtern belustigt.
»Verzeihen Sie, wir haben Sie an der Arena vorüber auf den Hügel steigen sehen, und ich sagte zu meinem Mann: »Dieser Herr wird uns helfen.« Sie haben so ein liebes, gütiges Gesicht. Da sind wir Ihnen gefolgt bis zur Höhe«, sprach das junge Weibchen schmeichelnd, aber noch ungewiß, ob mich all das rühren werde.
Da die Leutchen mir wirklich mehr arm als gaunerhaft vorkamen und ich frei sein wollte, gab ich den beiden zu einem Abendbrot. Sie dankten überschwenglich und luden mich, ich weiß nicht mehr wohin, ein, ihr Spiel anzusehen. Ich hatte indes Neu-Pola, das sich um einen Hügel südlich vom Kastell lagert, einen Besuch zugedacht, und dazu war jetzt die rechte Zeit. Über den östlichen Höhen war der volle Mond aufgegangen, und die Nacht war so hell und klar, daß ich selbst meinen Bädeker, der übrigens von Pola wenig schreibt, ohne Mühe lesen konnte.
So wanderte ich denn hinauf auf die höchste Kuppe zur Sternwarte, auf deren Terrasse das Monument des Admirals Tegethoff, ein prachtvoller Erzguß, steht, den Kaiser Franz Joseph im Jahre 1877 errichten ließ. »Tapfer kämpfend bei Helgoland, glorreich siegend bei Lissa, erwarb er unsterblichen Ruhm sich und Österreichs Seemacht« lautet die Inschrift auf dem Sockel des Denkmals, dessen Fuß mit vier allegorischen Figuren geschmückt ist.
Wunderschön ist der Standort; denn da liegt nicht nur die Stadt selbst, sondern auch der Golf mit den Forts, die ihn umrahmen, und die See, die mondbeglänzte, lichtgesättigte, dem Beschauer zu Fuß.