Es liegt etwas Großartiges in diesem Plan. Allein die Anlagen sind teuer, und Wien ist weit; ja die Karstgemeinden selber leisten Widerstand; der Bauer läßt sich seinen Weidgang nicht gern beschränken. Ob der Karst je wieder im Schmuck eines geschlossenen Hochwaldes prangen wird? Künftige Generationen werden es sagen können. Wer ihn jetzt bei St. Peter sieht, kann es kaum glauben.
Anders schaut die Gegend schon bei der folgenden Station aus, bei Prestanek, wo das grüne Wald- und Wiesental der Poik, das sich zur Linken öffnet, unsern Blick aus dem Klippengrau erlöst, und langen wir auf der Station Adelsberg an, so grüßt das kleine Städtchen gar freundlich aus weitem grünem Talgrund auf. Nur die öden Berglehnen verraten, daß wir uns noch mitten im Karst und zwar auf seiner höchstgelegenen Station, 583 Meter über der See, befinden.
Es war uns eine Herzenserleichterung, als wir aus dem engen Bahnwagen hinaus in den österlichen Sonnenschein traten. Um der Zudringlichkeit der Führer und Hotelwerber ein rasches Ende zu bereiten, vertrauten wir uns dem eleganten Omnibus des Adelsbergerhofes an. Während die Pferde davontrotteten, überblickten wir von seinem Imperiale herunter das bergumrahmte, grüne Tal, auf welches von kahlem Felsgipfel ernst und streng die Trümmer der Burg Adelsberg herunterblicken.
Bald hatten wir den »Markt« erreicht, wie sich Adelsberg in der Rangstufe österreichischer Ortschaften nennt. Seine stattlichen, blankgeweißten Häuser mit den Flachziegeldächern muten uns mehr deutsch denn slavisch an. Bei seiner hübschen Pfarrkirche vorbei gelangen wir zu dem großen, modernen Hotelbau des Adelsbergerhofes im Norden des Städtchens.
Dem goldig herniederflutenden Ostersonnenschein zum Trotz schien außer dem Omnibusführer das gesamte Hotelpersonal noch im Winterschlaf zu liegen, bis endlich ein erwachsendes Dornröschen, eine junge, wenig gesprächige Dame erschien und das Halbdutzend Grottengäste, die sich im Hausflur zusammengefunden, in die nächsten Räume wies. Während sie wieder für ein Viertelstündchen unsichtbar wurde, bemerkten wir, die Fensterläden öffnend, daß wir uns in einem sehr hübsch ausgestatteten Lesesaal, aber jedenfalls noch nicht in der haute saison von Adelsberg befanden.
Allein am Dornensträuchlein der Geduld wuchs denn doch ein frugaler Morgenimbiß auf, und bald kam die Nachricht, daß sich in den verschiedenen Gasthöfen der Stadt etliche dreißig Fremde zum Besuche der Grotte eingefunden hätten und ihre Beleuchtung um halb elf Uhr in Szene gehen könne.
So hatten wir uns denn in der Voraussetzung, es werde der Ostermontag, dieser in Nord und Süd gleich beliebte Ausflugstag, auch ein Häuflein Neugieriger am Grottentor von Adelsberg versammeln, nicht getäuscht. Es ist für die Touristen, welche alljährlich zu den Höhlenwundern der krainischen Berge pilgern, ein wahres Glück, daß die Tropfsteinunterwelt von Adelsberg eine Staatsdomäne und so der Privatspekulation entzogen ist. Sie steht unter einer aus Staats- und Gemeindebeamten zusammengesetzten Verwaltung, welche den Grottenbesuchern durch eine wirklich liberale Besuchsordnung entgegenkommt und den Grottenapparat, den Führerdienst, die Wege und die Beleuchtung in einen Stand gesetzt hat, der allen Ansprüchen genügt.
Ihre spekulative Mäßigung sticht wohltuend ab von der Touristenschererei der Hotels. Ihr hat es Adelsberg zu verdanken, daß es ein so blühender Touristenort ist, der seine zweitausend Einwohner unmittelbar oder mittelbar durch den Fremdenverkehr ernährt.
Eine hübsche Allee junger Linden führt längs eines nicht gar hohen felsklippigen Bergrückens zum Eingangstor der Grotte, die als ein stundenlanges Labyrinth den Leib dieses Höhenzuges mit ihren Tropfsteingängen durchzieht. An die grauen, mit spärlichem Eichenwuchs geschmückten Hänge schlängelt sich ein dunkelglänzendes Wasserband, die Poik heran, und verliert sich, nachdem sie noch ein klapperndes Mühlenrad geschlagen hat, mit raschem Wellenzug ins Innere des Berges.