Das Herz voll Elend schritt er eines Mittags nach dem Essen über den Flachsmarkt wieder den Werkstätten von Appelius zu. Da stockte ihm fast das Blut. In wallendem weißen Federhut und blauem Modekleid kam ihm die Barensky entgegen. Suchte sie ihn? Das glaubte er selber nicht. Die Begegnung war zufällig. Aber was nun? Sich wenden und ihr ausweichen? Nein! Er entschloß sich, stolz und ohne Gruß an ihr vorüberzugehen. Er straffte sich gewaltsam. Wie er sich ihr jedoch näherte, geschah ihm etwas Sonderbares. Der Boden verging ihm unter den Augen, ihm war, er schreite in einen schwarzen Abgrund hinein. Unwillkürlich schwankte er auf einen Laternenpfahl zu und hielt sich daran fest, sonst wäre er gefallen.

Sie stieß einen leisen Schrei aus und blieb stehen.

Ein kleiner Zusammenlauf von Leuten bildete sich, und Straßenjungen riefen: »Ein Betrunkener!« Ein Arbeiter aber, der Junghans kannte, trat entrüstet auf die Spötter zu und drohte ihnen mit Ohrfeigen: »Nein, der Herr ist krank!«

Da wandte sich die Barensky an den Mann: »Bitte, rufen Sie einen Wagen herbei. Ich will den Herrn in sein Quartier führen.«

Sei es nun, daß der Ohnmächtige keine Auskunft geben konnte, wo er wohne, oder verfügte es die Barensky von sich aus, – der Wagen fuhr hinunter zu jenem schönen Hotel am Rhein, in dem sie selber mit Mab wohnte.

Eine schwere innere Entzündung war im Ausbrechen; schon nach ein paar Stunden rang Ulrich in hohen Fiebern zwischen Leben und Tod.


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