Aber meine Beschäftigung mit dem Taifun blieb rein wissenschaftlich. Schon am Morgen des folgenden Tages (13. October) war das Wetter besser.
Ich lese Byron’s Harold, den ich glücklicher Weise in der Bücherei des Dampfers fand. Byron ist der Dichter des Reisens in vollkommenster Gestalt. Im Zusatz zur Vorrede vom Ritter Harold nennt er die Schönheiten der Natur und die Lust zu reisen ausser dem Ehrgeiz vielleicht die mächtigsten Anreizungen. Noch mehr hat er es durch seine Werke bewiesen. Wer die von ihm geschilderten Gegenden, vor allem Griechenland, zu sehen und zu betrachten Gelegenheit hatte, wird niemals müde werden, ihn zu verehren. Um so merkwürdiger scheint es mir, dass er selbst den gebildeten Engländern, trotz ihrer anerkennenswerthen Reiselust, weder genügend bekannt noch seelenverwandt zu sein scheint. Ich habe kaum einen Engländer gefunden, der den Anfang des dritten Gesangs vom Corsaren kannte, — jene wundervolle Schilderung des Sonnenuntergangs am saronischen Meerbusen, den ich selber so oft vom Nike-Tempel der Akropolis mit staunender Bewunderung geschaut. Weit besser kennen wir Deutschen das Hohelied vom Reisen, das unser Goethe gedichtet:
Doch ist es jedem eingeboren,
Dass sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt,
Wenn über uns, im blauen Raum verloren,
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt,
Wenn über schroffen Fichtenhöhen
Der Adler ausgebreitet schwebt,
Und über Flächen, über Seen,
Der Kranich nach der Heimath strebt.