Ceylon ist übrigens eine ganz stattliche Insel. Wir täuschen uns leicht über ihre Grösse,[291] wenn wir nur auf die Karte von Asien schauen und nicht unser kleines Europa in dem gleichen Massstab daneben haben.
Ceylon liegt an der Südostseite der Spitze von Vorder-Indien, zwischen 5° 56′ und 9° 49′ N. Br., misst in der Länge von Nord nach Süd 445, in der Breite 160 bis 235 Kilometer, hat einen Umfang von 1200 Kilometer und einen Flächeninhalt von 64000 Quadratkilometer. Daraus folgt, dass Ceylon ebenso gross ist wie das Königreich Bayern und noch einmal so gross wie die Insel Sicilien.
Die Bevölkerungszahl ist die gleiche für beide Inseln, nämlich drei Millionen. Also ist die Bevölkerungsdichtigkeit in Ceylon 46 für den Quadratkilometer[292], d. h. ebenso gross wie in den mittleren Bezirken von Ostindien.
Die unzähligen, jetzt ausgetrockneten Bewässerungsteiche mit ihren von dichtem Busch bewachsenen Dämmen, welche in den Wäldern der nördlichen Zweidrittel von Ceylon zu finden sind, und die Angabe singhalesischer Chroniken, dass um 1300 n. Chr. 1500000 Dörfer auf der Insel vorhanden waren, haben Emerson Tennent zu der Annahme bewogen, dass Ceylon in seiner Blüthezeit das Zehnfache der derzeitigen Einwohnerzahl, nämlich 12 bis 15 Millionen, besessen haben möge. Wenn auch Ferguson dies für übertrieben hält und nur 4 bis 5 Millionen zulassen will, und die Vettern Sarrasin in den verlassenen Teichen nur den Ausdruck der Völkerverschiebung, nicht einer ehemals grösseren Bevölkerungszahl sehen wollen; so ist es doch eine Thatsache, dass heutzutage zwei Drittel der Bevölkerung auf der Hälfte des Flächeninhalts, in den südwestlichen und den Hügel-Bezirken, leben, während das ehemalige Reisland der Nordhälfte auf weite Strecken ziemlich öde geworden und nur 15 Einwohner auf den Quadratkilometer zählt. Mit den alten Wasserwerken ist die Cultur zerfallen, in Ceylon wie in Tunis und andern Gegenden des Südens.
Ceylon ist ein natürliches Treibhaus, warm und feucht, mit einem ewigen Sommer und einer mittleren Jahres-Temperatur von +27 bis 28° C. Obwohl der Boden nicht so reich[293] ist, wie z. B. in dem vulkanischen Java; so genügen doch Wärme und Feuchtigkeit, um den üppigsten Pflanzenwuchs hervorzurufen.
Für den mitteleuropäischen Menschen ist das Klima weniger behaglich. Aber zwei angenehme Erfrischungen helfen ihm, die Hitze zu ertragen.
Erstlich fiel, während meiner Anwesenheit in der Ebene, fast jeden Abend ein tüchtiger Regen, meist unter Gewitter. (Die Regenmonate in Ceylon sind Mai-Juni und October-November.[294] Colombo, die Hauptstadt der Insel, hat im Jahre etwa 118 Regentage und im Monate November durchschnittlich elf. Die Höhe des Regenfalls beträgt 88 Zoll im Jahre).
Sodann besitzt Ceylon eine Gebirgsgegend (hill country), welche ⅙ seiner Fläche oder 4000 englische Quadratmeilen (von den 24702) umfasst, nach Süden steil, nach Norden allmählich abfällt. Hier liegen die beiden höchsten Berge der Insel, Pedurutalagala von 8269 Fuss und Adams-Pik von 7353 Fuss Erhebung. Die andern ⅚ der Insel sind wellige Ebenen. Aber Alles, von den tiefsten Thälern bis zu den höchsten Gipfeln, ist mit ausdauerndem Grün bedeckt, soweit nicht der schroffe Abfall einzelner Felsen den Pflanzenwuchs ausschliesst. Mit den Wäldern auf der Höhe hat man während der Pflanzerzeit, d. h. während der letzten 50 Jahre, unvernünftig aufgeräumt, so dass jetzt die Regierung freies Land oberhalb 5000 Fuss Erhebung nicht mehr veräussert. In diese Höhen flüchtet der Europäer; er verlässt des Morgens die Gluthitze von Colombo und erreicht Abends die Berge von Nuwara Eliya, ein Fleckchen Mitteleuropa im Herzen der tropischen Insel Asiens.
Jahreszeiten giebt es nicht auf Ceylon. Wie in den Gefilden der Seligen trägt die Kokospalme reife Früchte in jedem Monat des Jahres.