Die Singhalesen bewohnen hauptsächlich den Südwesten und die Hügelgegend; die Tamilen hingegen den Norden und Osten; die Wedda endlich einsame Urwälder im Innern. Dazu kommen noch Hindu verschiedener Kasten; 212 000 Mohren (Moormen) d. h. Abkömmlinge abenteuernder Araber, natürlich Mohammedaner; Chinesen 8000; ebensoviel Malayen, ursprünglich angeworbene Soldaten, die nach der Auflösung der Truppe (1873) im Lande blieben, zum Theil noch als Polizisten verwendet; vereinzelte Afghanen, Parsi, Kaffern; endlich 6000 Europäer und angeblich 20 000 Eur-asier, d. h. Mischlinge von Holländern mit Singhalesinnen, sogenannte Burghers, oder auch von Portugiesen und von Engländern mit einheimischen Frauen.[300]

Unter den Eingeborenen (Singhalesen und Tamilen) sind gegen eine Viertel Million Getaufter, nämlich 240000 Katholiken und 70000 Protestanten. Die Portugiesen erzwangen es mit der Inquisition; die Holländer mit dem Hunger, da sie keinem Einheimischen Arbeit gaben, der nicht zum protestantischen Glauben sich bekannte; die Engländer wirken durch ihre Missions-Gesellschaften, — bischöfliche, presbyterianische, wesleyanische. Dazu kommt noch die Heilsarmee, deren einheimische Vertreter ich in den rothen Jacken mit den Buchstaben S. A. prangen sah. Der Singhalese hat wohl nur selten die Qual der Wahl; sein Fassungsvermögen vermag auch nicht zwischen dem neuen Sittengesetz und dem alten des Buddha einen Unterschied zu entdecken.

Seit 543 v. Chr. wurde Ceylon von singhalesischen Fürsten beherrscht. Die erste Königsfamilie, die aus dem Ganges-Thal stammte, hiess Maha-wanso, das grosse Geschlecht, und ebenso heisst die dichterische Chronik, welche in der dem Sanskrit verwandten Pâli-Sprache ihre ganze Geschichte enthält. (Die Sprache der Singhalesen — Elu genannt — ist gemischt, ähnlich wie die englische, und zwar aus einem angeblich[301] der Tamilsprache verwandten Grundstock, der die gewöhnlichen, sichtbaren Dinge und die einfachen Begriffe ausdrückt; aus Pâli für die Begriffe der Religion; und aus Sanskrit für die der Wissenschaft und Kunst. Pâli war die Volkssprache ihrer buddhistischen Apostel aus Maghada).

170 Fürsten herrschten von 543 v. Chr. bis 1815 n. Chr., wo der letzte König von Kandy, angeblich wegen Grausamkeit, von den Engländern abgesetzt wurde. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die Buddha-Lehre eingeführt und gelangte zu hoher Blüthe. Ceylon ist ihre zweite Heimath. Von hier verbreitete sie sich nach Hinterindien, China, Japan.

Aber die kriegerischen Tamil-Stämme von der Coromandelküste und dem Süden des indischen Festlandes störten den Frieden der Insel und vertrieben allmählich die Singhalesen aus der nördlichen Hälfte. Im 8. Jahrhundert n. Chr. kamen Araber, 1505 die Portugiesen. Nachdem die letzteren über ein Jahrhundert lang die Küsten beherrscht, tüchtig geplündert und unter königlichem Monopol Gewürze ausgeführt, wurden sie 1632–1658 von den Holländern verdrängt, welche ursprünglich von den Singhalesen zu Hilfe gerufen waren. Die Holländer beuteten die Singhalesen ebenso aus, wie vorher die Portugiesen es gethan; sie setzten Todesstrafe auf unerlaubten Verkauf eines einzigen Zimmtstengels und übten Gewissenszwang; aber sie begannen doch wenigstens den Anbau von Kaffe und Indigo, sowie von Cocospalmen längs der ganzen Südwestküste.

1802 wurde die Insel im Frieden von Amiens an die Engländer abgetreten und 1815 zu einer Kron-Colonie gemacht, nachdem das Königreich Kandy, welches sowohl den Portugiesen wie auch den Holländern widerstanden, endgiltig besiegt worden war.

Ein Gouverneur herrscht über die Insel, selbstherrlich und uneingeschränkt,[302] allerdings dem Colonialamt verantwortlich, das aber ziemlich fern weilt, — in Downingstreet zu London. Sechs Jahre pflegt seine Amtsthätigkeit zu dauern, für welche er die Kleinigkeit von jährlich 80000 Rupien bezieht.

(Entsprechend sind die Gehälter der andern Beamten. Schon seufzen die gebildeten Ceylonesen, Singhalesen und Burghers, über die Last der Pensionen, und klagen, dass sie, geborene Unterthanen der Königin Victoria, so wenig bei der Verwaltung ihres eignen Landes berücksichtigt werden.) Friede und Ruhe herrscht auf der Insel, die zu den bestbebauten Colonial-Ländern der Erde gehört und die wichtigste Kron-Colonie Englands darstellt.

The best and brightest gem