Zur Zeit des Südwestmonsum brandet die See längs der ganzen Ausdehnung des Wellenbrechers in Schaum-Säulen von 50 Fuss Höhe, ein wundervoller Anblick, den ich aber nur aus einem Lichtbild kennen lernte.

Misstrauisch betrachten schon die Einheimischen den Fremdling, der das Hafenbild so genau studirt, dass er sich kaum davon trennen kann. Aber endlich wende ich mich rückwärts und muss gestehen, dass auch das Bild des europäischen Stadttheiles von Colombo sehr gefällig ist. Der Name Fort ist ihm geblieben, obwohl die alten portugiesisch-holländischen Befestigungswerke seit 1871 niedergelegt und die Gräben ausgefüllt sind. (Nur eine Batterie von 12 Kanonen hat man übrig gelassen, um Begrüssungsschüsse abzufeuern.)

Von dem Landungsplatz nach Süden erstreckt sich ein breiter Boulevard (Yorkstreet) mit stattlichem Fahrweg, zwei Baumreihen, zwei Fusswegen. Der rothe Kies des Fahrwegs stimmt gut zu dem satten Grün. Der stattliche Tulpenbaum (Suriya, Thespesia populnea) gewährt in den Strassen nicht bloss erfreulichen Anblick, sondern auch angenehmen Schatten.

Rechts liegt das mächtige Gebäude des Oriental-Hotel, links das der P. & O. Gesellschaft; im fernen Hintergrund erscheinen die stattlichen Baracken der Besatzung auf einem grossen, freien Platz.

Von dem Landungsplatz nach Osten zieht Churchstreet, an deren Ende ein schön gepflegter, öffentlicher Garten liegt (Gordon’s G.) und der Wohnsitz des Gouverneurs (Queen’s house). Vor diesem steht die Bronze-Bildsäule von Sir Eduard Barnes. Das Kunstwerk ist mittelmässig, aber der Mann war tüchtig. Als Gouverneur in den Jahren 1820–1822 und 1824–1831 hat er Ceylon bewohnbar gemacht durch Anlegung von Strassen. Als die Engländer in Ceylon landeten, gab es keine einzige ordentliche Strasse; im Jahre 1831 war jede Stadt durch gute Fahrstrassen erreichbar. Das wichtigste Werk von Sir Eduard Barnes war die Fahrstrasse von Colombo nach Kandy, auf der am 13. Februar 1832 die erste Postkutsche Asiens entlang fuhr. (Jetzt ist allerdings die Post von der Eisenbahn überholt.) Strassenbau ist das wichtigste Mittel zur Civilisation. Das haben die Engländer gut begriffen; in Ceylon gaben sie ein Gesetz, wonach jeder brauchbare Mann zwischen dem 18. und 55. Jahre alljährlich sechs Tage Arbeit oder eine entsprechende Geldzahlung zur Verbesserung der Strassen zu leisten hatte.

Ich verfolge meinen Weg längs der Yorkstrasse durch die geräumigen und schattigen Veranden, die den Läden vorgebaut sind, (denn die Sonne macht sich schon recht fühlbar,) werfe einen Blick auf die reichen Lager von Gold-, Silber-, Edelstein-Waaren, Kunstgegenständen, ohne mich aber durch die eifrigen Mohren zum Eintritt bereden zu lassen; und biege nach rechts in die Princess-Street ein, wo in riesigen europäischen Kaufläden der Reisende wie der Ansiedler die vollständigste Ausrüstung und Einrichtung vorfindet.

Es zieht mich zur Post, die um 10 Uhr Vormittags geöffnet wird. Vier Briefe von Hause werden mir, als ich meine Karte vorzeige, von dem singhalesischen Beamten eingehändigt. Unbekümmert um die Vorübergehenden und die zudringlichen Bettler setze ich mich auf die Veranda und überfliege die 48 eng beschriebenen Seiten. Dann sende ich mein Telegramm nach Hause. (Jedes Wort nach Europa kostet 3 Rupien 12 Cents. Die Antwort erhalte ich am Nachmittag desselben Tages.)

In dieser Gegend liegen die Verwaltungs- und Bankgebäude. Als vor ungefähr 50 Jahren die Pflanzer-Zeit in Ceylon anhob, wurden Banken nothwendig. Die Oriental-Bank zog das Hauptgeschäft an sich und gab Kassenscheine aus, die willig, auch von den Eingeborenen, genommen wurden. Leider musste sie im März 1884 ihre Thüren schliessen. Aber der Gouverneur Sir Arthur Gordon verhütete die Verwirrung unter den Eingeborenen, indem er die Noten der Bank übernahm. Uebrigens hatte die Regierung keinen Verlust, da schliesslich Deckung genug vorhanden war; vielmehr Vortheil, da sie selber Papiergeld ausgab. (7 Millionen Rupien, mit einem Gewinn von jährlich 200000 Rupien.) Die New Oriental-Bank, die auf den Trümmern der alten gegründet worden, musste im Juni 1892, kurz bevor ich nach Asien kam, die Zahlungen einstellen. (Davon war in Singapore und Hongkong viel gesprochen worden. Auch diesmal wurden ihre Noten von den andern Banken übernommen, damit nicht das Vertrauen der Asiaten eine unheilbare Wunde erleide.) Jetzt giebt es in Colombo mindestens ein Dutzend Banken oder Bankvertretungen; darunter ist auch unsere „Deutsche Bank“ aus Berlin.

Ich gehe noch weiter südlich nach Chatam-Street, die mit Princess-Street gleich läuft. Hier drängen sich die einheimischen Läden mit sogenannten Kunstgegenständen (Curios) dicht aneinander. Die Einladungen zum Eintreten werden immer dringlicher. Hier liegt der Glockenthurm, der im Jahre 1857 erbaut ist und auch als Leuchtthurm benutzt wird. Das Licht steht 132 Fuss über dem Wasserspiegel und ist einem 20 Fuss über Wasser befindlichen Auge bei klarem Wetter bis auf 17 Seemeilen Entfernung sichtbar.[317] Dicht neben dem Thurm liegt das mit dem deutschen Wappen geschmückte Geschäftshaus unseres Consuls, des Herrn Freudenberg, dessen Namen in den deutschen Reiseschriften zu den besten gezählt wird. Mit der grössten Liebenswürdigkeit empfängt er mich, versorgt mich mit werthvollem Rath für die Reise durch Ceylon und, auf Grund meines Creditbriefes, mit dem dazu nöthigen Regierungs-Papiergeld (300 Rupien in Abschnitten von 5 und 10); und ladet mich sowie den Herrn Capitän zum Frühstück in das nahegelegene Bristol-Hotel.