Südlich von Pettah liegt ein grosser Landsee, einfach Lake oder Colombo-Lake genannt, angeblich der Rest der früheren Mündung des Flusses (Kelani Ganga), welcher jetzt nördlich von Colombo in’s Meer fliesst. In diesen See springt von Süden her eine breite, künstlich aufgeschüttete Halbinsel weit vor, die Sklaven Insel (Slave Island), so genannt, weil die Holländer im vorigen Jahrhundert hier die Regierungsklaven für die Nacht einzusperren pflegten. Jetzt ist es ein besonderer Stadttheil von Colombo, der achte von den neunen. Um diesen See fahren wir herum, geniessen die entzückende Aussicht auf die mit Kokospalmen dicht besetzten Ufer und erreichen das Südende von Colombo, die Vorstadt Kollupitya, von den Engländern kürzer Colpetty genannt, die zwar schon durch Strassen abgetheilt ist, auch zahlreiche Gartenhäuser enthält, aber zum grössten Theil von dem Victoria-Park nebst Museum, dem Renn- und dem Cricket-Platz sowie von den Zimmt-Gärten eingenommen wird.
Der Europäer, welcher eine überschwängliche Vorstellung mit diesem Namen verbunden und gar die alte Fabel[322] geglaubt hat, dass die würzigen Düfte der Insel bis weit über das Meer hin wahrnehmbar seien, wird einigermaassen enttäuscht, wenn er zur Stelle gelangt ist.
Der Zimmtstrauch wächst in weissem Quarz-Sand, aus dem auch die Riesenbauten der Ameisen hervorragen, ist weder sehr hoch noch besonders schön; um den Duft wahrzunehmen, muss man erst einige abgepflückte Blätter in der Hand zerdrücken. Dazu ist freilich Gelegenheit genug vorhanden. Junge Burschen schleudern uns Zweige des Zimmtstrauches in den Wagen und heischen dafür eine Gabe; sie bieten aufdringlich Spazierstöcke aus Zimmtholz und glitzernde Goldkäfer zum Verkauf an.
Zimmt, die Innenrinde des Zimmtstrauches, gehört zu den ältesten Gewürzen des Menschengeschlechtes. Schon in einem altchinesischen Kräuterbuch, das angeblich aus dem Jahre 2700 v. Chr. stammt, wird es erwähnt, war angeblich den alten Aegyptern, sicher den Phöniziern, den Hebräern, den Griechen und Römern bekannt.
Den letzteren wurde Zimmt durch arabische Carawanen zugeführt und erzielte in Rom einen Preis von 150 Mark für das Pfund! Im Mittelalter blieb es ein sehr kostbares Gewürz, von dem man wusste, dass es aus China stammt. Sehr merkwürdig ist, dass obwohl der Ceylon-Zimmt unbestritten der beste auf der Erde ist und den Namen Zimmt-Insel veranlasst hat, weder in singhalesischen noch in fremden Schriften der Zimmtbaum als einheimische Pflanze oder der Zimmt als Handelserzeugniss Ceylon’s vor Ibn Batuta, d. h. vor dem 14. Jahrhundert n. Chr., jemals erwähnt wird.
Die Holländer machten ein Monopol aus dem Zimmthandel und bedrohten den unbefugten Handel mit Zimmt sowie die Zerstörung eines einzelnen Zimmtbaumes mit dem Tode. Zuerst erhielten sie den Zimmt hauptsächlich aus dem Königreich Kandy, in dessen Wäldern er geschnitten wurde; aber später (1770) versuchten sie den Anbau an der Südwestküste der Insel mit Erfolg und führten jährlich an 400000 Pfund aus, womit sie den ganzen Bedarf von Europa zu decken und dies Geschäft völlig zu beherrschen im Stande waren. Sie verbrannten lieber den Ueberschuss in Amsterdam, als dass sie einen Preisrückgang duldeten. Ihre grösste Jahresausfuhr war im Jahre 1738 und betrug 600000 Pfund, im Werthe von 8 bis 18 Mark das Pfund.
Unter der englischen Herrschaft erhielt zuerst die ostindische Gesellschaft den Alleinhandel und führte jährlich gegen 500000 Pfund aus. 1833 wurde dies Monopol, 1853 der hohe Ausfuhrzoll (von ⅓ bis ½ des Werthes) aufgehoben. Nachdem die einschränkenden Gesetze gefallen waren, hob sich die Ausfuhr bedeutend. 1881/82 wurden aus Ceylon 1600000 Pfund Zimmt-Röhren und 400000 Pfand Zimmt-Spähne[323] ausgeführt, im Werthe von 3 Mark für das Pfund der besten Waare. Der Preis ist noch weiter gesunken, die Ausfuhr 1891 bis gegen 3 Millionen Pfund gestiegen. 35000 Acres sind in Ceylon mit dem Zimmtbaum bepflanzt, sie gehören Einheimischen und werden von Einheimischen bearbeitet.
Der Zimmtbaum[324] ist in den Wäldern Ceylon’s von 3000 bis 7000 Fuss Erhebung ziemlich verbreitet. Die Eingeborenen, welche die Rinde von diesen Bäumen sammeln, pflegen zuvor davon zu kosten und einzelne Bäume zu übergehen, da sie für den Zweck unbrauchbar sind. An der Südwestküste von Ceylon wird die beste Art bis zu einer Erhebung von 1500 Fuss angebaut. Sir Emmerson Tennent stellte fest, dass jeder der fünf hauptsächlichsten Zimmtgärten in diesem Bezirke 15–20 englische Meilen im Umfang mass. Später wurden viele der Zimmtgärten zu Gunsten des Kaffebau’s aufgegeben. Zum Zwecke der Zimmtgewinnung werden die Pflanzen beschnitten, so dass die Stammbildung unterdrückt wird, und 4 bis 5 Schösslinge aufspriessen, die man 1 bis 2 Jahre wachsen lässt.
Dann fängt die Rinde an, ihre grüne Farbe mit einer bräunlichen zu vertauschen. Nunmehr werden die Schösslinge, die jetzt 6 bis 10 Fuss lang und ½ bis 2 Zoll dick sind, mit einem langstieligen Sichelmesser abgeschnitten; die Blätter abgepflückt und die Rinde oberflächlich geputzt und von Unregelmässigkeiten befreit; der Abfall giebt die Zimmtspähne. Dann wird die Rinde in Abständen quer durchschnitten, auch senkrecht eingeschnitten und so leicht vom Holz abgelöst. Hierauf werden die Rindenstücke sorgfältig in einandergelegt und in Büschel gebunden. So bleiben sie 24 Stunden und länger. Es entsteht eine Art von Gährung, welche die Entfernung der Aussenrinde erleichtert. Dann werden die dünneren Röhrchen in die weiteren hineingelegt, die Rinde schrumpft und krümmt sich ein, bis sie eine Art von solidem Stab bildet, gewöhnlich von 40 Zoll Länge. Diese Stäbe werden erst im Schatten, dann in der Sonne getrocknet und schliesslich in Ballen von 30 Pfund fest verpackt.
Der Riechstoff des Zimmtes ist das ätherische Zimmtöl. Dasselbe wird in Ceylon aus den Abfällen der Zimmtrinde durch Destillation mit Wasser bereitet (1 Kilogramm Oel aus 200 Kilogramm Rinde) und zu wohlriechenden Stoffen wie auch zu Kräuterschnäpsen verwendet. Die Zimmtblüthen kommen hauptsächlich aus China.