Dicht neben den Zimmtgärten von Colombo liegt die Ackerbauschule, die aber recht verwahrlost aussieht. Vor zehn Jahren äusserte sich H. Meyer darüber folgendermaassen: „Ein reicher Singhalese schenkte bei irgend einer festlichen Gelegenheit der Stadt Colombo 20000 Pfund Sterling mit der Bestimmung, eine landwirthschaftliche Musteranstalt einzurichten. Wir ritten an dem Grundstück vorbei, und ich sah neben einer Anzahl halbverfallener Hütten ein Stück überwuchertes Gartenland und dahinter einen breiten Moorgrund, durchzogen von einigen verschlammten Bewässerungskanälen; das war das Mustergut.“

Angeblich hat der jetzige Leiter der Anstalt „europäische Qualification“ und ist erfolgreich bestrebt, durch das Mittelglied der Dorfschulmeister nützliche Kenntnisse vom Ackerbau über das Land zu verbreiten.

Besser gepflegt, ja sehr gut gehalten ist der kreisförmige Victoria-Park, in dessen Bereich das Museum liegt. Dieses habe ich wiederholentlich besucht, erstlich weil ich in Colombo Zeit genug hatte und dieselbe ausfüllen musste, zweitens um mich dafür zu entschädigen, dass ich zu Hause so wenig Musse für den Besuch von Sammlungen finde. Meine Begleiter waren meist früher fertig und warteten draussen, bis ich die Besichtigung beendigt. Ueberhaupt fand ich auch hier nur wenige Europäer, desto mehr schau- und wissbegierige Ceylonesen.

Vor dem Gebäude steht das Erzstandbild von Sir W. H. Gregory, der von 1872–1877 Gouverneur von Ceylon gewesen. Die Inschrift besagt, dass das Standbild von den Einwohnern errichtet ist zur Erinnerung an die zahlreichen Wohlthaten, die sie ihm zu danken haben. In der That ist die Summe von 25000 Rupien für das Denkmal hauptsächlich von den Singhalesen gezeichnet worden. Herrn Gregory verdankt Colombo seine Wasserleitung und das Museum, sein schönstes Gebäude, das 12000 £ gekostet.

Der Inhalt der Sammlungen ist, wie gewöhnlich in Ostasien, äusserst mannigfaltig. Zunächst ist da eine Bücherei der Regierung und eine andere des ceylonischen Zweiges der königlichen asiatischen Gesellschaft, sowie ein Lesezimmer. Dann sind als wichtigster Gegenstand die singhalesischen Alterthümer zu erwähnen: die berühmten Inschriften von Anuradhapura, deren Entzifferung wir unserem Landsmann, meinem Studiengenossen Dr. Goldschmidt verdanken, der als Professor zu Strassburg, leider zu früh für die Wissenschaft, verstorben ist; Münzen, die aber über das Mittelalter nicht hinaufreichen; zierlich gearbeitete Schmuckgegenstände, Halsketten, Armbänder, Ohr- und Fingerringe; Waffen, Schwerter, Hellebarden, Flinten, namentlich auch solche, welche bei den Prachtaufzügen der Kandy-Könige benutzt wurden, sowie alte holländische Degen und Reiterpistolen; endlich die bekannten Masken der Teufel-Tänzer, welche die Krankheiten beschwören. Diese Masken sind ein bis auf unsre Tage gekommenes Ueberbleibsel aus der Urzeit Ceylon’s, wo Dämonen-Verehrung nebst Schlangendienst auf der Insel blühte. Jede besondere Krankheit wird nach dem Aberglauben der Leute von einem besondern Dämon (Sanne) verursacht. Der Beschwörer (Kattadia) nimmt die entsprechende Maske vor, macht seinen Tanz nebst Beschwörung, unter Begleitung des Tamtam, und zieht sich um Sonnenuntergang zurück mit den Opfergaben und mit dem Wunsche baldiger Genesung. Diesem Dämonendienst bleiben auch die Getauften treu, worüber Portugiesen, Holländer, Engländer in gleicher Weise geklagt haben und noch heute klagen. Nach der Volkszählung von 1891 giebt es in Ceylon 1532 gewerbsmässige Teufel-Tänzer.

Ferner sind vorhanden Natur- und Kunsterzeugnisse der Insel. Die ersteren sind recht vollständig vertreten. Unter den letzteren fallen hübsche Tischler- und Schnitz-Arbeiten auf. Die Singhalesen haben auch gute Schmiede, Töpfer, Korbmacher. Im Ganzen ist aber Handwerk und Gewerbefleiss nur wenig entwickelt. Sodann folgt eine ethnographische Sammlung mit lebensgrossen, naturgetreuen Darstellungen, sowohl der Ureinwohner (Wedda) als auch der Singhalesen in ihrem vollen Putz. An der Haartracht der Damen ist portugiesischer Einfluss unverkennbar; das spanische Schläfenlöckchen scheint grossen Beifall gefunden zu haben.

Von Buddha-Heiligthümern sieht man hier weit weniger, als in der Sammlung zu Calcutta, offenbar deshalb, weil eben in Ceylon die Buddha-Lehre noch lebendig ist.

Die naturwissenschaftliche Abtheilung mit ihren Säugethieren, Vögeln, Fischen, Insecten, Pflanzen, Gesteinen zieht die Eingeborenen ganz besonders an, namentlich bewundern sie einzelne Prachtstücke, wie den 23 Fuss langen Haifisch, der 1883 in einem Dorf bei Colombo gefangen worden. Den Europäer fesseln die Beweisstücke der erstaunlichen Fresswerkzeug-Leistungen einheimischer Ameisen, wie mannsdicke Balken, die in eine Art von Flechtwerk umgewandelt sind, und angenagte Steinkohlen; man würde sich kaum noch über durchgefressene Eisenbahnschienen verwundern.

Die Rückfahrt nahmen wir, vorbei an einem prachtvollen Banyan-Baum (Ficus indica), der mit seinen Luftwurzeln eine prachtvolle, belaubte Säulenhalle bildet, über Southern drive, eine unvergleichlich schöne, vortrefflich angelegte, ockerrothe Strasse längs des Meeresufers. Ein Denkstein meldet, dass Sir Henry Ward diesen Weg 1856 begonnen, 1859 vollendet hat und ihn seinen Nachfolgern an’s Herz legt zum Wohl der Frauen und Kinder von Colombo.

Hier tummelt sich gegen Abend das wohlhabendere Völkchen des Europäer-Viertels zu Wagen und zu Ross; hier tauschen sie die Bemerkungen über Wetter und Neuigkeiten der Gesellschaft aus und blicken mit Wohlwollen auf die Cricket- und Polo-Spieler zur Seite des Weges, voll Stolz auf die wenigen Fremden und die einzelnen Fussgänger und Eingeborenen herab, bis die Sonne wolkenlos in dem inselleeren Weltmeer zu versinken sich anschickt: dann eilen alle nordwärts durch den kleinen Stadttheil Galle-Face mit seinen prachtvollen Palmen zurück nach dem Fort, um für das wichtige Geschäft des Abendessens die unerlässliche Schmückung des Körpers vorzunehmen. Beiläufig bemerke ich, dass, während die Damen noch immer zum Essen wie zu einem Ball sich ankleiden, die englischen Herren von dem Frack, den Häckel vor 10 Jahren mit seinem Zorn überschüttet, jetzt abgekommen zu sein scheinen. Sie tragen dunkle Hosen und weissleinene, ganz kurze Knaben-Jäckchen, dazu einen seidnen Gürtel in brennendem Roth oder in Hellblau: was für dürre, ältliche, schon etwas gebückte Obersten und Capitäne oder für ganz unkriegerische Kaufleute meist einen recht lächerlichen Anzug oder Aufzug darstellt.