Gewohnt, rasch mich umzukleiden, habe ich noch Zeit, einen Blick in Gordon’s Garten zu werfen. Zugegen waren hauptsächlich nur Kinder von Europäern, auf zierlichen zweirädrigen Karren von einheimischen Kinderfrauen geschoben. Einen köstlichen Anblick bot der singhalesische Don Juan, das lange rabenschwarze Haar zierlich gekräuselt und gesalbt, in Locken bis auf die Schultern herabwallend, geschmückt mit zwei Schildkrötkämmen, einem runden auf dem Scheitel, einem platten am Hinterhaupt; den Vollbart auf das sorgfältigste gepflegt; silberne Ringe an den Fingern; Jacke und Schurz von tadellosem Weiss; sein Liebesgeflüster offenbar ebenso eindrucksvoll, wie bei uns im Herzen von Europa.

Das Mittagessen im Oriental-Hotel (um 7½ Uhr Nachmittags) trägt die ganze Wichtigthuerei und geheuchelte Vornehmheit zur Schau, die Jeder kennt, der im Alexandra-Hotel zu Oban in Schottland oder in Shepheard’s Hotel zu Cairo in Aegypten unter überwiegend englischer Gesellschaft zu speisen das Vergnügen gehabt. Die Gerichte sind zahlreich, aber mittelmässig, besonders das Fleisch; der Wein schlecht, das Bier erträglich. Kühlung fächelt die Punka.

Nach dem Essen nimmt man den Kaffe in der Veranda und raucht eine Cigarre dazu, — in Frieden, wenn man verstanden, die Mohren ein für alle Mal sich vom Leibe zu halten. Jung-Albion streckt hierselbst höchst anmuthig die gespreizten Schenkel auf die vorspringenden Lehnen der langen, rohrgeflochtenen Stühle (easy chairs), — als ob es keine Frauen in der Welt gäbe.

In guter Gesellschaft plaudert man noch ein bis zwei Stündchen.

Dienstfertige Shinghalesen schaffen das Nöthige zur Befeuchtung der Kehle herbei. Nur die Liebhaber schärfster Getränke schützen Neigung zu einer Partie Billard vor und verschwinden nach der neben den Billardräumen gelegenen Schenke (bar) des Gasthauses.

Wenn man aber das Schlafzimmer aufgesucht und trotz offengehaltener Fensterthür und niedrig geschraubter Gasflamme[325] seufzend + 22° C. festgestellt; so ist eine kühle Abwaschung des ganzen Körpers sehr förderlich, bevor man kunstgerecht hinter die würfelförmige Moskito-Netz-Umzäunung des Bettes schlüpft.

Decken giebt es nicht; auch das Laken, das ihre Stelle vertritt, schiebt man bei Seite und kann doch nicht gleich einschlafen wegen des Höllenlärms auf der Strasse, den betrunkene Matrosen und andre Europäer sowie rasselnde Jinrikisha verüben, und den die Engländer mit unbegreiflichem Langmuth selbst auf dem Hauptplatz der Hauptstadt gestatten. Allerdings, die hochmögenden Herren werden dadurch nicht gestört; sie schlafen sanft in ihren Landhäusern, weit ab in der friedlichen Vorstadt.

Endlich prasselt ein befreiender Regenguss herunter, kühlt die Luft und verscheucht die Nachtschwärmer.


Nicht müde konnte ich werden, tagtäglich, so lange mein Aufenthalt in der Gartenstadt Colombo währte, die Reize der entzückenden Ausfahrten zu geniessen und die Kokos-Palmen, Bananen, Tulpenbäume, Pawlonien, Banya in der nördlichen Vorstadt Kotahena, in der südlichen Colpetty und auf der Sklaveninsel mit immer erneuter Bewundrung zu betrachten. Unter den in prachtvollen Gärten gelegenen Landhäusern (Bungalow) entdeckte ich drei mit vaterländischen Namen: Karlsruhe, Wilhelmsruhe, Rheinland.