Wie üppig der Pflanzenwuchs schon in der Stadt ist, erkennt am besten, wer den am Ostende gelegenen Maligakanda-Hügel und das platte Dach des darauf erbauten Wasserbehälters erklimmt. Hier, in einer Höhe von vielleicht 100 Fuss über der Ebene der Stadt und unmittelbar an ihrer Grenze, erblickt man vor sich nur einen einzigen mächtigen Palmenwald, die ganze Masse der 20000 Häuser ist darin völlig wie vergraben.

Die Wasserwerke von Colombo sind erst 1889 vollendet und haben 7 Millionen Mark gekostet. Sie bestehen aus dem Hauptbehälter zu Labugama, einem künstlichen See von 176 Acres in den letzten Ausläufern der Kette des Adams-Pik, ferner aus der 25 englische Meilen langen Leitung von dort bis zu diesem Nothbehälter in der Stadt, welcher 8350000 Gallonen oder 37575 Cubikmeter, d. h. den Bedarf[326] für drei Tage, fasst, und endlich aus den nöthigen Verzweigungen.

Als ich von der Dachluke des Wasserbehälters in das Innere einsteigen wollte, wo ich das Wasser rauschen hörte, traten die einheimischen Beamten mir entgegen und hemmten meine Wissbegier, trotz meines Einspruchs.

In der Nähe sind zwei buddhistische Tempel oder eigentlich Priesterwohnungen (pansala). Das eine ist Vidyodaya-Colleg, ein Hauptsitz östlicher Gelehrsamkeit, im Jahre 1873 begründet und geleitet von dem gelehrten Hohenpriester des Adams-Pik, welcher den wohllautenden Namen Hikkaduwe Sumangala Terrunanse besitzt. Der durchbrochene, dreistöckige Glockenthurm könnte ganz gut in einem italienischen Dorfe stehen.

Einer der schönsten Ausflüge von Colombo geht nach dem Buddhistentempel von Kelani. Durch Pettah und die nördliche Villen-Vorstadt Kotahena kommen wir in einen dichten Palmenwald, wo einzelne ärmliche, aber höchst malerische Hütten der Eingeborenen stehen.

Eigentlich ist es kaum eine Hütte, sondern nur ein niedriges Palmblätter-Dach mit Stützen. Die Vorderwand ist offen und zeigt den Wohnraum und die kleinen Vorräthe an Früchten und einfachen Waaren, die feilgeboten werden: ein Paar Stengel mit Bananen (Paradies-Feigen); ein Paar Blätter mit Betelnuss-Stückchen, dütenartig zusammengerollt. Aber freundlich schmiegt sich die nährende Banane[327] und der Brodfruchtbaum[328] und einige Sträucher mit brennend rothen Blumen an den luftigen Bau, den eine sanftgebogene Kokospalme überschattet. Ein Paar Hühner und nackte Kinder beleben das Bild. Ein dunkles Weib mit entblösstem Oberkörper säugt den Kleinsten, während der nur mit Schurz bekleidete Mann häusliche Arbeit verrichtet.

„In dieser Armuth, welche Fülle!“

Der Singhalese lebt hauptsächlich von Reis, den er mit Gewürz (curry) zubereitet, und von Früchten (Bananen, Kokos, Jak); gelegentlich geniesst er auch getrocknete Fische. Diese einfachen und unentbehrlichen Nahrungsmittel und das gleichfalls unerlässliche Genussmittel der in Betelblätter eingewickelten Areca-Nuss wird allenthalben feilgeboten.

Wir erreichen den besuchten Grandpass-Markt mit echt asiatischem Dorfleben und die Schiffsbrücke über den Kelani Ganga.[329]

Diese Brücke ist 500 Fuss lang und liegt auf 21 verankerten Booten; sie ist 1822 angelegt zur Verbindung von Colombo mit Kandy. Vor dem Bau der Eisenbahn bildete sie den einzigen Weg über den Fluss und auch noch heute dient sie einem lebhaften Verkehr beladener Ochsenwagen. Um die Schifffahrt zu ermöglichen, werden für zwei Stunden an jedem Tag zwei der Boote herausgenommen. Binnen kurzem wird hier eine eiserne Gürtelbrücke errichtet werden.