Der Singhalese ist ein kleiner, zierlicher Mann von gelber bis zimmtbrauner Farbe und regelmässigen Gesichtszügen; mit gut gepflegtem und gekräuseltem Bart und langem Weiberhaar, das er in einem Knoten auf dem Hinterhaupt befestigt und mit einem halbkreisförmigen Kamm aus Schildpatt schmückt, wie ihn bei uns manch’ kleines Mädchen trägt. Die eigenthümliche weibische Haartracht der Singhalesen ist schon vor mehr als 1200 Jahren von griechisch-byzantinischen Seefahrern aus Aegypten besonders angemerkt worden.[333]

Der gewöhnliche Arbeiter trägt, namentlich auf dem Lande, nur einen langen Lendenschurz (Comboy) der wie ein Weiberrock aussieht, aus einfachem weissen Stoff oder aus rothem, der sehr beliebt ist. Der schon etwas bessere Arbeiter, zumal in den Städten, trägt dazu noch ein Jäckchen. Stutzer bekleiden sich vollständig mit europäischem Rock und Hemd, stecken noch einen zweiten Riesenkamm in den Haarknoten und zahlreiche Silberringe an die Finger. Gelegentlich lassen sie auch das lange, lockige Haar hinter dem Rundkamm auf die Schulter herabwallen und tragen Ohrringe. Ein schattenspendender Hut gehört nicht zur Tracht, aber ein Sonnenschirm ist zulässig.

Die Singhalesinnen tragen Rock und Jäckchen; ihre Tracht ist für den Fremden gewöhnlich gar nicht so sehr verschieden von der der Männer; aber sie schmücken sich nie mit dem Rundkamm, sondern stets mit Haarnadeln. Trotz der mitunter ganz hübschen Gesichter sind manche für uns unerträglich durch zwei Eigenschaften: sie spucken roth, vom Betelkauen; und tragen zwei Ringe in jedem Ohr, einen grossen in dem unförmlich verlängerten Zipfel und einen am oberen Rand.

Bei den Tamilfrauen ist diese Verunstaltung der Ohren die Regel; dazu kommen noch Metallplättchen, die in die Nasenflügel eingeschraubt sind, auch mit Hängern, ein Nasenring durch die Zwischenscheidewand, zwei bis drei Halsbänder, etliche Armbänder, Finger-, Zehen-, Knöchel-Ringe. Dabei sind sie durchaus nicht ohne Geschmack und Gefallsucht; namentlich legen sie geschickt ein gefaltetes Tuch um die linke Schulter und schräg absteigend über die Brüste und wählen dazu oft ein lebhaftes Roth, das ihnen, besonders in dieser Umgebung, ganz gut steht.

Die Tamilen sind grösser, kräftiger, dunkler, als die Singhalesen, kaffe- bis schwarzbraun, mit niedrigerer Stirn, breiteren Nasenflügeln, dickeren Lippen, und tragen gern ein weisses Gewand, das wie ein Mantel um die Schultern geschlagen wird und zu den beiden Seiten faltig herabhängt.

Von den Hindu in Colombo haben das sonderbarste Aussehen die Chetties mit abenteuerlicher Mütze, ganz glattrasirtem Gesicht, ungemein grossen, dünnen, mehrfachen Ohrringen, enganliegender, bis zu den Füssen reichender Gewandung. Sie handeln in Reis und Baumwolle und verleihen Gelder, und nehmen nur 60 Procent Zinsen, welche sie vorsichtiger Weise gleich von dem entliehenen Capital abziehen. Obwohl sie vorzüglich rechnen und buchführen, schreiben sie noch bis zum heutigen Tage auf Palmblätter.

Die mohammedanischen Indo-Araber oder Mohren, in Colombo ein Fünftel der Bevölkerung,[334] haben oft ganz deutlich arabische Gesichtszüge; sie tragen weisse Kappen oder hohe, bienenkorbähnliche Strohmützen und lange, weisse kaftan-ähnliche Röcke, dazu Hosen und Schuhe oder Pantoffel.

Juden sollen in Ceylon fehlen.

Aber in den „Reisen zweier Mohammedaner“ aus dem 9. Jahrhundert n. Chr. rühmt ein Augenzeuge die Duldsamkeit der (buddhistischen) Singhalesen, welche bewiesen werde durch Anwesenheit einer christlichen Manichäer- und einer Juden-Gemeinde; und der arabische Geograph Edrisi aus dem 12. Jahrhundert n. Chr. berichtet, dass der Rath des Fürsten von Ceylon aus 16 Mitgliedern bestand, vier von der einheimischen Religion, vier Christen, vier Muselmännern, vier Juden.

Ich selber sah, als ich zu Pettah in den Laden eines Mohren eintreten wollte, und vergnügt mein Kleingeld an die Schaaren bettelnder Kinder und Greise vertheilte, ein auffallend schönes und helles Mädchen abseits stehen; und als ich den Ladenbesitzer fragte, wer sie sei, erwiederte er: Das ist ein Kind der Juden, die unter uns leben. Ob das Abkömmlinge der alten sind, oder neue Ankömmlinge aus Bagdad, deren man so viele in Bombay sieht, konnte ich nicht erfahren.