Kandy.

Am Morgen des 11. November reiste ich von Colombo in’s Innere von Ceylon, zunächst mit der Eisenbahn nach Kandy.

Die Eisenbahnen auf Ceylon sind Regierungs-Vorrecht und werfen ein hübsches Einkommen ab, ebenso viel wie die Eingangszölle, nämlich ein Fünftel des Gesammt-Einkommens[335] der Colonie.

Die Hauptlinie geht von Colombo ostwärts nach Kandy[336] und weiter bergauf nach Nanu-Oya, dem Halteplatz für den Höhen-Ort Nuwara Eliya, 128 engl. Meilen, mit einer kleinen Zweiglinie von Peradenia bei Kandy bis Matale, 22 engl. Meilen.

Die Küstenlinie geht von Colombo südwärts bis Bentota (39 engl. Meilen) und soll demnächst nach Point de Galle fortgesetzt werden.[337]

(Für die Verbindung mit den nördlichen Städten Trincomali und Jafna ist man auch heute noch auf Postwagen angewiesen oder auf den Seeweg. Doch hat eine Londoner Gesellschaft schon den Bau einer Eisenbahn nach Jafna vorbereitet.)

Die Linie von Colombo nach Kandy ist 74½ engl. Meilen lang, gut gebaut, mit der breiten ostindischen Schienenweite (gauge) von 5 Fuss 6 Zoll, mit eisernen Gürtelbrücken, Viaducten, Tunnels und einer Steigung von 1:45 für 12 engl. Meilen in der Gebirgsgegend.

Die Herstellung dieser Linie von 74½ engl. Meilen hat übrigens der Regierung 1738413 £ gekostet, also immerhin, trotz der so billigen Arbeitslöhne, gegen 300000 Mark für den Kilometer, der in Deutschland durchschnittlich 264000, in England 400000 Mark erfordert.

Wegen der kunstreichen Ueberwindung von Schwierigkeiten wird sie in englischen Schriften und Reisebüchern unbändig gepriesen. Doch muss ich offen gestehen, dass weder diese Linie noch die nach Darjeeling im Himalaya in Bezug auf die Bauart irgend etwas bedeutet gegen eine Rigi- oder Gotthard-Bahn. Aber mit Rücksicht auf landschaftliche Schönheit und Eigenart gehört die Strecke von Colombo nach Kandy zu den bevorzugten, ja unvergesslichen.